Autor: Dr. Elmar Waterloh

Festvortrag des Gründungsmitglieds und Ehrenpräsidenten zur 50-Jahr-Feier des OFC

50 Jahre Olympischer Fechtclub Bonn

Nach dem Kriege bestand bis zur Währungsreform 1948 wenig Interesse, Sport zu betreiben. Wiederaufbau, Ausbildung, Schwarzmarkt und der Kampf um Lebensmittel standen im Vordergrund alles Denkens. Als man 1948 begann sich wieder für den Sport zu interessieren, sah sich das Fechten in Deutschland mit der Kontrallratsdirektive Nr. 23 der Alliierten vom 17.12.1945 konfrontiert. In der Direktive war niedergelegt, dass Sportfechten eine militärische Übung sei und für Deutsche nicht zulässig. In Ignorierung des Verbotes wurde 1948 von früheren Bonnern Fechtern beschlossen, das Fechten wiederaufzunehmen. Als Trainer stand uns der Fechtmeister Metzner zur Verfügung. Auf der Suche nach einem Fechtsaal wurde man im Oktober 1948 fündig mit der Sporthalle der Bonner Pädagogischen Akademie, heute Eingangsbereich des früheren Bundeshauses. Hier fanden dann auch 1948/49 "schwarze" Fechttuniere statt u. a. gegen Düsseldorfer, Offenbacher, Frankfurter und Herforder Fechter. Nachdem in Bonn der parlamentarische Rat gegründet war, das Plenum im Museum König tagte, die Verwaltung zunehmend Räume der Pädagogischen Akademie belegte, wurde die Sporthalle zunächst nicht benötigt und stand dem "schwarzen" Fechtsport voll zur Verfügung. Beim Training sah man als Zuschauer Mitglieder des parlamentarischen Rates, besonders oft besuchten uns aber die Mitarbeiter der damaligen Verwaltung. Hierbei waren es Herr von Padberg später leitender deutscher Direktor beim Europäischen Parlament in Straßburg und der spätere Staatssekretär Dr. Wandersleben, auch unter dem Namen "Bonifatius" bekannt - der Mann, der Bonn für 50 Jahre zur Bundeshauptstadt machte - mit denen ich Gespräche führen konnte, die dem Ziel galten, die hohen Kommissare der Alliierten zu veranlassen, die Kontrollratsdirektive Nr. 23 aufzuheben. Anfang 1949 wurde auf Initiative des späteren Sportwartes des Deutschen Fechterbundes, Paul Schulze / Düsseldorf ein Dreierausschuß gegründet, in dem der Weltklassefechter Erwin Casmir / Frankfurt den Vorsitz hatte, Paul Schulze sich mit allen innersportlichen Fragen befaßte und mir die Aufgabe zukam, mit Hilfe von Mitgliedern des parlamentarischen Rates und seiner Verwaltung eine Verbindung zu den Besatzungsmächten herzustellen, um die Suspendierung der Kontrollratsdirektive Nr. 23 für den Fechtsport zu erreichen.

Ungeachtet des politischen Verbots hatte das schwarze Sportfechten in Bonn einen erheblichen Umfang angenommen. Trotz großer Schwierigkeiten in der Gerätebeschaffung, zerbrochene Klingen wurden mit Draht geflickt und verschweißt, Fechtanzüge wurden von Müttern geschneidert, ganze Floretts wurden selbst gebaut. Gerade diese Tatsache und das Verbot des Fechtens fand das besondere Interesse von Jugendlichen und führte dazu, dass ab Oktober 1948 rund 60 Fechterinnen und Fechter in der Pädagogischen Akademie unter Aufsicht von Mitgliedern des Parlamentarischen Rates und seiner Verwaltung gefochten wurde.

Zu einem schweren Rückschlag für das Fechten in Bonn aber auch in Deutschland kam es am 14.05.1949 als ein junger Fechter sich mit seinem Florett ausgerechnet vor den Sitz des britischen Stadtkommandanten (der jetzigen und früheren Bonner Sparkasse) aufstellte, um auf seine Straßenbahn zu warten. Hierbei wurde er von dem britischen Stadtkommandanten gestellt und festgenommen. Im Verhör gab er an, mit mir und dem späteren Nationalfechter Dr. Herbert Faßbender regelmäßig zu trainieren, verschwieg jedoch, dass es 60 Fechtsporttreibende in Bonn gab. Die intakten Telefonverbindungen und der Zusammenhalt der Bevölkerung in Bonn führten dazu, dass mein Vater fernmündlich davon unterrichtet wurde, dass eine Hausdurchsuchung drohe. Diese fand auch kurzfristig statt. Unter der Führung des grimmig aussehenden schnurbärtigen britischen Stadtkommandaten betraten 5 - 6 Soldaten mein elterlisches Haus. Die Tatsache, dass es sich um eine Arztpraxis handelte und dass sie von meinem Vater im weißen Kittel empfangen wurden, stimmte offensichtlich den Briten milder. Nach dem Ort des Fechttrainings gefragt, wurde er in die kleine Waschküche geführt. Er beschlagnahmte 2 nicht mehr intakte Floretts, 2 Holzschwerter und einen Stadtsoldatensäbel. Die eigentlichen Fechtgeräte konnten in das nahe Haus eines evangelischen Geistlichen gerettet werden, der sicherlich nichts davon wußte, dass das Fechten verboten war und sein Sohn zu unserer Fechtjugend gehörte. Der Stadtkommandant unterrichte mich davon, dass er Anzeige gegen mich erstattet habe wegen Verstosses gegen eine Kontrollratsdirektive. Am 27.05.1949 fand die Verhandlung vor dem Militärgericht in Bonn statt. Unser Verteidiger war der spätere Präsident des Deutschen Anwaltsvereins Dr. Dahs, der uns bei der Vorbesprechung erklärte, er wünsche kein Plädoyer für die Freigabe des Fechtens oder die Aufhebung der Kontrollratsdirektive. Er ersuchte uns, still in der Sünderbank zu sitzen und alles Weitere ihm zu überlassen. Nach dem Plädoyer von Herrn Dr. Dahs vermochten ein milder Richter und ein verständnisvoller Staatsanwalt sich den Ausführungen des britischen Stadtkommandaten über einen schweren Verstoß gegen die Kontrallratsdirektive nicht anzuschließen und verurteilten uns unter Einziehung der Fechtgeräte zu einer Strafe von DM 20,00, ersatzweise 3 Tage Haft. Der britische Staatsanwalt entschuldigte sich, als wir den Gerichtssaal verließen und bedauerte, dass er diesen Prozeß habe führen müssen. Er wäre selbst Sportler, habe erfolgreich geboxt und würde sich freuen, uns einmal zu einem Drink in seiner Wohnung in Köln-Marienburg zu begrüssen.

Trotz des Urteils haben wir nach einer kurzen Pause weiter trainiert - jetzt in der 11 m langen Waschküche meines noch nicht wieder bewohnbaren Elternhauses, da uns die Halle der Pädagogischen Akadamie nicht mehr zur Verfügung stand. Trainiert wurden wir vom Dipl.-Fechtmeister Brinkmann, der die Grundlage für unsere späteren fechterischen Erfolge legte.

Im September 1949 wurde mir ein Gespräch mit dem französischen hohen Kommissar Francois Poncét vermittelt, der sich überrascht zeigte, dass mit der Kontrollratsdirektive Nr. 23 auch das Sportfechten in Deutschland verboten war. Das Gespräch gab mir die Hoffnung, dass Francois Poncét als geschäftsführender Vorsitzender der hohen Kommissare mit Sitz auf dem Petersberg, die Frage des Verbots des Sportfechtens überprüfen würde. Für den Gründungsausschuß des Deutschen Fechterbundes habe ich den Antrag an die britische Militärregierung gestellt, die Wiedergründung des Verbandes zu genehmigen. Der Antrag wurde genehmigt. Das bestehende Verbot des Fechtens wurde jedoch nicht aufgehoben.

Am 04.11.1949 gründeten Harald Klevenhausen, Anneliese Houben, Horst Kating, Manfred Kill, Günter Krieg, Eberhard Mehl, Max Montkowski, Rudolf Michels, Ursula Neubert, Sigrid Panse, Rosemarie Peters, Hannelore Segschneider, Ulrich von Stackelberg, Christel Streil, Karl-Heinz Tillwich, Henny Trimborn, Hildegund Waterloh und Elmar Waterloh den Olympischen Fechtclub Bonn, dessen 50jähriges Jubiläum wir heute begehen.

Auftaktsaktivität des Clubs war die Organisation zur Wiedergründung des Deutschen Fechterbundes, die am 27.11.1949 in der Aula der Pädagogischen Hochschule, dem späteren Plenarsaal des Bundesrates stattfand, zu dem sich 157 Delegierte aus Fechtclubs und Abteilungen aus den 3 Westzonen Deutschlands trafen. Die Veranstaltung war mit einer Fechtgala und einem großen Fechterball verbunden. Erwin Casmir wurde zum Präsidenten gewählt, Paul Schulze wurde Sportwart, mir fiel das Amt des Jugendwarts zu. Herr Professor Dr. Diem, Rektor der Sporthochschule Köln, Organisator der Olympischen Spiele von 1936, hielt die Festrede unter dem Motto "Fechten ist ein wahrhaft olympischer und ritterlicher Sport". Der Sportoffizier der britischen Zone kam der Einladung des Fechter-Bundes nicht nach. Er schickte ein Telegramm, in dem er nochmals darauf hinwies, dass keine Einwände gegen die Gründung des Verbandes beständen, das Sportfechten selbst nach wie vor verboten sei.

Am 03.04.1950 teilte mir der Bundesinnenminister mit, dass nach Mitteilung des Bundeskanzleramtes vom 28.03.1950 der geschäftsführende Vorsitzende der alliierten hohen Kommission mit Schreiben vom 21.03.1950 die Wiederausübung des Fechtsports nach den Regeln der FIE genehmigt habe, in der wir jedoch noch nicht wieder Mitglieder waren.

Nach der Freigabe des Fechtens gab es auf nationaler Ebene zahlreiche Freundschaftskämpfe. Auf Einladung des französischen hohen Kommissars Francois Poncét, der schon früh eine enge deutsch-französische Zusammenarbeit forderte, konnten wir am 26.08.1950 eine Fechtgala im internationalen Club in Bad Godesberg - der Redoute - vorführen. Francois Poncét empfing uns als Hausherr. Er bedauerte, dass der hohe Amerikanische Kommissar Mister Mc. Cloy in letzter Minute verhindert sei. Mc. Cloy wurde vertreten durch seinen persönlichen Referenten "John Mc. Donald". Mc. Donald hatte in den USA gefochten. Er trat im September 1950 dem OFC als Mitglied bei. Er war nicht nur eine Verstärkung unserer Säbelmannschaft, sondern aufgrund seines großen amerikanischen Wagens, der den Transport einer kompletten Mannschaft erlaubte, natürlich besonders willkommen.

Er ist uns ein guter Freund geblieben.

Nach der Genehmigung zur Wiederaufnahme des Fechtsports konnte ich das Institut für Leibesübung der Universität, Herrn Professor Dr. Thörner und seinen Oberassistenten Herrn Nacke-Erich überreden, eine UniversitätsfechtmeistersteIle auszuschreiben und einen Universitätsfechtsaal unter dem Dach des Hauptgebäudes einzurichten. Nachdem Fechtmeister Brinkmann nach Hamburg zurückkehrte konnten wir zum 01.09.1950 den Dipl.-Fechtmeister Fritz August Gazzera, gerade aus jugoslawischer Kriegsgefangenschaft entlassen, als Universitäts- und OFC-Trainer verpflichten. Fritz August Gazzera stammte aus einer alten italienischen Fechtmeisterfamilie und hatte als Amateur erfolgreich an den Olympischen Spielen teilgenommen.

Im Rahmen der sich abzeichnenden weiteren deutsch-französischen Annäherung regte der französische hohe Kommissar Francois Poncét einen Fechtvergleich Bonn/Paris an mit Sondergenehmigung der FIE, der Vergleichskampf fand am 25.11.1950 in einer bis auf den letzen Stehplatz gefüllten Universitätsmensa statt. Francois Poncét nahm als Ehrengast an dem Tunier teil, eröffnete die Begegnung und finanzierte die Veranstaltung weitgehend. Trotz Verstärkung mit Düsseldorfer und Frankfurter Fechtern verloren wir beide Mannschaftskämpfe hoch gegen die mit dem amtierenden Säbelweltmeister Levavasseur und den späteren Olympiasiegern Rommel und Piot antretenden Franzosen. Piot bekam einen besonderen Beifall, war er doch Double in dem Film "Die 3 Musketiere".

Der Wiederaufbau, der im Deutschen Fechter-Bund zusammengeschlossenen Vereine, brauchte Zeit. Erst in 4/1951 fanden die ersten Deutschen Meisterschaften im Mainzer Schloß statt. In 9/1951 richtete der OFC die ersten Deutschen Juniorenfechtmeisterschaften in der Mensa der Universität in Bonn aus. Die Teilnehmer schliefen nicht wie heute üblich in einem 5-Sterne-Hotel, sondern waren in Zelten auf den Tennisportanlagen an der Reuterstraße untergebracht. Einige reisten per Anhalter an. Die Meisterschaften brachten einen ersten großen OFC Erfolg. Im Finale der Florettfechterinnen standen sich die Bonnerinnen Ursula Neubert und Hannelore Segschneider gegenüber. Ursula Neubert siegte und wurde damit erste Deutsche Juniorenmeisterin. 1952 gewann Hannelore Segschneider die Deutsche Juniorenmeisterschaft. 1953 fiel der Titel wiederum an Ursula Neubert, die 1963 auch als erste Bonnerin Deutsche Meisterin wird. U. Neubert und H. Segschneider wurden später mit G. Theuerkauff u. H. Schubert sowie H. Waterloh mehrfach Deutsche Mannschaftsmeister im Damenflorett. Weitere 6 Finalplätze sorgten dafür, dass der OFC bei den ersten Deutschen Juniorenmeisterschaften der erfolgreichste Verein war. Der Erfolg rief Neidgefühle hervor, so mußten wir am 19.03.1952 in der FAZ lesen, es sei abwägig und sogar anmaßend, dass ein Bonner Fechtclub das Attribut olympisch führe, dieser Zusatz sei eine Überheblichkeit, die nicht mehr zu überbieten sei und außerdem geschmacklos hinsichtlich der völlig unangebrachten Verwendung der olympischen Idee durch einen Sportclub.

Am 28.03.1952 wurde Deutschland wieder in den internationalen Verband FIE aufgenommen. Drei deutsche Junioren, darunter der OFCler Ulrich von Stackelberg, Casmir jun. und Stratmann durften an der 1. Weltmeisterschaft der Junioren in Italien teilnehmen, damit wurde ein Start bei den Olympischen Spielen in Helsinki möglich. Der DFB vertraute hier den Fechtern aus der Vorkriegszeit, die keine Erfolge mit nach Hause brachten.

Zum 31.03.1953 lösten wir den Vertrag mit Meister Gazzera und verpflichteten erneut wieder Meister Brinkmann. Mit der Trennung gab es Hallenprobleme, da wir den Universitätsfechtsaal aufgeben mußten. Das Fechttraining fand vorübergehend in der Sporthalle des Beethoven-Gymnasiums, später in der Schulsporthalle der Stiftsschule und in der Schule an der Sandstraße statt, wo wir durch eine finanzielle Mitbeteiligung Stadt und Land veranlassen konnten, eine zusätzliche Gymnastikhalle zu bauen, die ausschließlich dem OFC zur Verfügung stand.

Als besondere Veranstaltungen der Gründungszeit müssen vermerkt werden: 1955 der Besuch einer argentinischen Militärauswahl mit einem Generalmajor an der Spitze und 4 fechtenden Obersten, ein Freundschaftskampf gegen den interalliierten Fechtclub Fontainebleau. Beide Veranstaltungen fanden vor großem Publikum im Bundeshaus Restaurant statt. Freundschaftstuniere führten nach Stockholm und Helsinki, nach Österreich und Kroatien, nach Ungarn, Holland, Brüssel und Frankreich.

1955 nahmen wir erstmals erfolgreich an den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften teil und errangen im Säbel den 3. Platz. 1956 sorgte die Einführung der elektrischen Anzeige im Florettfechten bei den deutschen Mannschaftsmeisterschaften in Nauheim für die große Sensation. Wir schlugen im Halbfinale den Deutschen Traditionsmeister Hermannia Frankfurt, später im Finale den FC Offenbach und im Säbelfinale den Titelverteidiger und ältesten Deutschen Fechtclub den TK Hannover. Das war der Anfang der beispielosen Erfolgsreihe des Olympischen Fechtclubs. 1957 holte Jürgen Theuerkauff den ersten deutschen Einzeltitel im Säbelfechten nach Bonn. 1958 mußte der Deutsche Fechterbund seine Satzung ändern, da unsere 2. Mannschaft bei den Deutschen Meisterschaften im Herrenflorett den 3. Platz belegte. 1966 gingen erstmals alle 4 deutsche Mannschaftstitel nach Bonn. 1960 wurden Gundi und Jürgen Theuerkauff sowie Eberhard Mehl in die Deutsche Olympiamannschaft berufen. Jürgen Theuerkauff und Eberhard Mehl errangen im Herrenflorett in Rom die Bronzemedaillie in der Mannschaft.

In besonderer Erinnerung sind die Einladungen des Regierungspräsidenten in den 50er Jahren auf den Drachenfels zu den Meisterehrungen, die meistens in den frühen Morgenstunden in der Bar des Präsidenten des großen DFB Peko Bauwens endeten.

Ein eingerahmtes Foto von Miss World, Petra Schürmann mit Widmung erhielt ich hierbei als besondere Auszeichnung. In Erinnerung blieben die Deutschen Einzelmeisterschaften 1958 in Bad Dürkheim, wo ein Offenbacher Fechter auf den Meisterschaftstitel zumarschierte, bis ihm unser Physiker Roland Steffen das Handwerk legte, als er feststellte, dass man mit einem Knopfdruck die Metallweste kurzschließen konnte und nicht zu treffen war.

1959/60 und 1963/64 war ich maßgebend an den Verhandlungen über eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft beteiligt. Mit Claus Dieter Güse zusammen gelang es, jeweils einen Ausscheidungsmodus durchzusetzen, der einseitig den DFB begünstigte. Einschränkend ist zu sagen, dass am Verhandlungstisch auf Seite der DDR ausschließlich Funktionäre und keine Fechter saßen.

1961 verlieh der Bundespräsident dem OFC und den Stammfechtern H. Putzl, J. Theuerkauff, U. v. Stackelberg, R. Steffen und E. Waterloh das silberne Lorbeerblatt als höchste sportliche Auszeichnung.

1965 verkaufte die Stadt Bonn den Sportpark Gronau an den Bund und schrieb 1966 einen Wettbewerb für einen Sportpark Nord aus. Erster Preisträger wurde der Architekt Ernst van Dorp, dem der Auftrag zufiel. Zeitgleich gab es erste Gespräche zwischen mir und dem Leiter der Abteilung Sport im Bundesinnenministerium, Herrn Dr. von Hovora über den Bau eines Bundesleistungszentrums Fechten in Bonn. 1967 beschloß der Rat der Stadt ein Leistungszentrum Fechten in den Sportpark Nord einzuplanen. 1968 kam es in Bonn zu einer Situation, von der unsere Oberbürgermeisterin vielleicht nicht einmal zu träumen vermag. Im Rahmen des Zusammenschlusses von Bonn und Bad Godesberg wurde der jeweilige Rat suspendiert. Das Land setzt als kommissarisches Stadtoberhaupt für beide Städte den früheren Ministerpräsidenten Meyers ein, der autark und allein regierend seine Entscheidungen treffen konnte. Dieses war der Zeitpunkt, indem es Herrn Henze und Herrn Nettersheim gelang, innerhalb von 4 Wochen die Genehmigung zum Einbau eines 50 m Sportschwimmbeckens für den SSF Bonn durchzuboxen. Mir verblieb als kleine Hilfe den amtierenden Sportausschuß der Stadt davon zu überzeugen, dass ohne eine kleine Schwimmhalle ein Bundesleistungszentrum Fechten nicht auskommen könne. Den Umfang des Sportschwimmbeckens mit allen Nebenanlagen hat der Ausschuß mit Sicherheit nicht mitbekommen. Wie stürmisch die Zeit war, läßt sich daraus ersehen, dass bei einer Nachtsitzung im Bundesinnenministerium noch die Unterschrift des damaligen Präsidenten des Fechterbundes Otto Adam eingeholt werden mußte, den wir praktisch aus dem Bett holten, um ihn zu veranlassen, telegraphisch einen abgesprochenen Antrag zu übermitteln.

Für den Plan, das Bundesleistungszentrum in Bonn zu errichten waren maßgebend ein fechterisch starker Verein, optimale Verkehrsanbindungen, der Flughaften Köln/Bonn, die Universität, höhere Schulen und weitere fortbildende Schulen, die geeignet waren, Fechten mit einer beruflichen Ausbildung zu verbinden. Eine Zusammenarbeit mit der Sportkompanie der Bundeswehr Köln-Wahn wurde festgelegt. Die Errichtung der Trainerakademie Köln habe ich im DSB nachhaltig vetreten und wurde zum Mitglied im Kuratorium. Das Leistungszentrum war verbunden mit einem Übernachtungsheim und mit Räumen für die Verwaltung des Leistungszentrums dazu kam ein Sportinternat. Eine Verwaltungseinheit für den Deutschen Fechterbund fiel als Nebenprodukt ab. Bau und Einweihung des Bundesleistungszentrums blieben nicht ohne Widerspruch vor allem von unseren Freunden aus Nord-Baden. 1969 wurde von dem Präsidenten von Nord-Baden der Antrag gestellt, den Bau des Leistungszentrums sofort einzustellen, da die klimatischen Verhältnisse in Bonn für den Hochleistungssport besonders ungünstig seien. Hilfe gab mir ein Gutachten der Bonner Stadtwerke, das ich über unseren damaligen Geschäftsführer Herrn Michels - stellvertretenden Leiter der Stadtwerke - erhielt, in dem nachzulesen war, dass der Sportpark Nord sich in einer besonders günstigen klimatischen Zone der Stadt Bonn befindet. Da zum Fechtertag wie bestellt ein Telegramm aus Havanna eintraf: "Fritz WesseIWeltmeister im Herrenflorett" , erübrigten sich weitere Diskussionen. Schon bald nach der Einweihung zeigte sich, dass die Teilnahme am Restaurationsbetrieb in der Tribünenhalle nicht optimal war. Die kleine Fechthalle reichte nicht aus. Die große Sporthalle Nord war zu teilen mit anderen Sportarten. Daher wurden noch 1972 die Weichen gestellt für die Erweiterung des Bundesleistungszentrums durch einen Küchen-, Aufenthalts- und Restaurationstrakt und eine große Fechthalle. Am 13.06.1979 wurde mit dem Erweiterungsbau des Bundesleistungszentrum begonnen. 1980 erfolgte die offizielle Einweihung dieser Halle.

Meine Tätigkeit im Deutschen Fechtsport endete 1978, nach 6jährigem Präsidentenamt und nach einer dreißigjährigen Tätigkeit in verschiedenen Vorstandsämtem.