Autor: August Wilhelm Hein
Die Geburt des Löwen
Sie wurde bereits 1971 eingeleitet.
Im Zuge der kommunalen Neuordnung wurde Bonn damals von dem von der Landesregierung von NRW eingesetzten Kommissar Franz Meyers (ehemaliger Ministerpräsident) verwaltet. Ratsbeschlüsse waren nicht erforderlich So konnte durch gezielte Einzelgespräche. an denen "von der Stadt Herr Henze, von den Schwimmsportfreunden Herr Nettersheim und vom Fechten Herr Dr. Waterloh teilnahmen, die Fertigstellung des Sportparkes Nord und des Bundesleistungszentrums Fechten vorangebracht werden. Am 12.11.71 wurde das Bundesleistungszentrum offiziell eröffnet. Für Dr. Waterloh, den damaligen Präsidenten des DFeB war dies der Anlaß, im Vorstand des Fechterbundes den Antrag zu stellen, im neuen Leistungszentrum in Anlehnung an das erfolgreiche Degenturnier in Heidenheim in Bonn eine entsprechende Veranstaltung ins Leben zu rufen. Auf Vorschlag des Bundestrainers Jean Coibion wurde als Waffe das Herrenflorett gewählt.
Noch während der Olympischen Spiele 1972 in München führte der deutsche Olympiabeauftragte Klaus - Dieter Güse Gespräche mit dem Vorstand der FIE mit dem Ziel, das Bonner Florett -Turnier im FIE - Kalender zu verankern. Mit der Zusage des FIE-Präsidenten Ferri konnte die Stadt Bonn nun als weiterer "Geburtshelfer" auf sicherer Basis planen.
1972 wurde das Turnier weiter abgesichert durch den Beschluß des DFeB, nur zwei Turniere in jeder Waffenart finanziell zu unterstützen. Im Herrenflorett waren es das Junioren-Turnier "Käthchen von Heilbronn" und das Aktiven-Turnier "Löwe von Bonn", obwohl es zunächst nur ein Qu.B - Turnier war.
Schon in der Sportausschuß-Sitzung am 20. April war der Tagesordnungspunkt "2.5: Antrag der Stadtverordneten Kuhn, Pützer, Schreiber, Wildhagen (CDU) vom 8.3. 72 betr.: Durchführung eines Fechtturniers" behandelt worden.
"Der Sport- und Bäderausschuß möge beschließen: Die Stadt Bonn führt in Zukunft jährlich eines der vier in der Bundesrepublik stattfindenden A-Klasse-Fechtturniere durch. Hierzu wird ein jährlicher Zuschuß bis zu 15 000 DM gewährt, und zwar im Rahmen der vorhandenen Etatmittel.
Der Sieger im Herrenflorett erhält als Wanderpreis den "Löwe von Bonn"".
Die Idee, die Trophäe nach dem Wappentier der Stadt Bonn zu benennen, hatte der Stv. Rolf Kuhn. Er wurde dann auch "Vater des Löwen" genannt.
Der Antrag wurde bei zwei Gegenstimmen und drei Enthaltungen angenommen.
Die Antragsteller waren nicht begeisterte Anhänger des Fechtsports, auch Rolf Kuhn nicht, obwohl Fritz Wessel (Weltmeister 1969 und 1970) im Rahmen seiner juristischen Ausbilbung als Referendar in der Kanzlei Kuhn tätig war. Der entscheidende Gesichtspunkt wird in der Stellungnahme der Verwaltung zu dem Antrag formuliert: "Die Durchführung dieses Fechtturniers in Bonn entspricht den Bemühungen der Verwaltung, der sportinteressierten Bevölkerung attraktive Veranstaltungen der in Bonn betriebenen Sportarten des Spitzensports anzubieten."
Nachdem auch der Hauptausschuß der Stadt in seiner Sitzung am 9.5.72 den Antrag ohne weitere Diskussion passieren ließ und der Zuschuß von 15000 DM im Haushalt 1973 genehmigt war, konnte mit der Organisation des "Löwen" begonnen werden. Für ein Qu.A -Turnier in Bonn setzte sich besonders der Bonner Cheftrainer Jean Coibion ein. So war er es, der die Trophäe von einem belgischen Künstler in Brüssel entwerfen und anfertigen ließ (ein Löwe, aus reinem Silber, ca. 20 cm hoch). Der Stadtsportbund traf die Auswahl unter den Entwürfen und trug die Herstellungskosten.
Der "große Löwe", wird nur am Finaltag zur Siegerehrung hervorgeholt. Der "kleine Löwe", der in den Besitz des Siegers übergeht, kostet heute ca. 1.000 DM.
So konnte das erste Turnier am 12./13. Mai 1973 beginnen. Es nahmen 150 Fechter aus sechs Nationen teil (Belgien, Großbritannien, Österreich, Rumänien, Schweden, Deutschland). Sieger wurde der Lokalmatador Klaus Reichert. 1974 waren es schon 164 Fechter aus elf Nationen. (60 Auländer, darunter jetzt auch die starken Ostblock -Fechter, zwei Russen und zwei Polen im Finale). Die FIE-Beobachter Boitelle (Frankreich) und Malacarne (Italien) sorgten durch ihr Votum dafür, daß der "Löwe" schon ab 1975 Qu.A - Turnier wurde, das oft über die Teilnahme an Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen entschied.
