Autor:
Herbert Edgar Sembritzki
veröffentlicht: 1987
efg - essen er fechtsportgemeinschaft e. V.
Im Jahre 1963 hatte die "Fechtsport-Gemeinschaft der Höheren Schulen" in einer Zeitungsanzeige für den Fechtsport geworben. Da ich seit meinem Umzug aus Hamburg noch zu keinem Verein in Essen näheren Kontakt hatte, beschloß ich, dort mal zu sehen, ob ich noch ein Florett führen konnte. Diese Gemeinschaft war kein Verein in unserem heutigen Sinne. Walter Winkelmann, die treibende Kraft, hielt alle Fäden in der Hand und gab dieser Gruppe sein Gepräge. Beiträge kannten wir noch nicht und Aufgaben wurden gemeinschaftlich gelöst. Es dauerte nicht lange, und ich war bald von Herrn Winkelmann zu seiner linken Hand gemacht - die rechte Hand blieb er immer selbst.
Bereits in dieser Zeit wurde jährlich ein großes Schüler-Turnier veranstaltet, das wir alle mit viel Einsatz und Liebe vorbereiteten. Wettkämpfe für Schüler zählten damals zu den Besonderheiten, deshalb war unsere Veranstaltung gut besucht, und von den Teilnehmern aus unserem Bundesland wurde gern vermerkt, daß alles sehr familiär in derTurnfesthalle zuging.
Aus dieser Zeit stammen noch unsere heutigen Mitglieder Evelin Albers und Walter Lamijon. Unser Kamerad Manfed Kiy ist jetzt in Bonn, er hat einen Posten beim Rheinischen Fechterbund übernommen. Mit uns haben dann auch die Mitglieder des Polizeisportvereins - dessen Fechtabteilung dann aufgelöst wurde - gefochten. Herr Kriminalkommissar Klose und Herr Pott haben noch eine ganze Weile bei uns den Degen geführt. Neben Herrn Winkelmann unterrichtete noch Herr Studienrat Nuschenpickel bei uns.
Wenn unser Kreis auch klein war, es herrschte Leben in unserer Gemeinschaft. Die Fechter vom TuS Helene waren bei uns zu Gast, und auch die Säbelfechter der Ingenieurschule besuchten unser Training. Jeder dieser Vereine hatte seine eigenen Probleme, die in Eigenregie wohl kaum zu lösen waren, daher dauerte es nicht lange, bis der Wunsch nach einer Vereinigung laut wurde. Die Verhandlungen für die Fechtsportgemeinschaft der Höheren Schulen hat Walter Winkelmann geführt, ich habe aber allen Gesprächen beigewohnt und muß feststellen, daß damals alles noch viel unproblematischer war, als es heute ist. Für die Studenten-Säbelgemeinschaft war Falk Schwigat der Wortführer und TuS Helene wurde durch Emil Schuhmacher vertreten. Im Jahre 1968 wurde dann die Essener Fecht-Sport-Gemeinschaft gegründet. Jetzt wurde auch ein ordentlicher Vorstand gewählt und die Vereinsgeschäfte erledigte man unproblematisch am Stammtisch in der Gastwirtschaft Dernehl, Engelbertstraße nach dem Training. Zunächst ging es darum, eine eigene Identität zu gewinnen. Wir beschlossen daher, für den Vereinsnamen und für Rundschreiben, fürTurniermeldungen und was sonst noch anfällt, die totale Kleinschreibung einzuführen. Bestand hatte dieser Beschluß aber nur für den Namen. Seit 1969 achten wir konsequent darauf, daß wir "essener fechtsport-gemeinschaft (efg)" heißen. Mit dem Kürzel wollten wir bekannt werden. Bei der Korrespondenz hatten wir uns bald wieder den Umgangsformen angepaßt und schrieben normal. Am Stammtisch wurde auch unsere erste Satzung heiß diskutiert, geändert, umgestellt, bis sie unseren Vorstellungen entsprach. Trainiert wurde in der Turnhalle der Gemeinschaftsschule in der Söllingstraße.
Wir blieben jedoch weiterhin eine lose Gemeinschaft und waren noch kein rechtsfähiger Verein.
Unser Schülerturnier haben wir weiterhin durchgeführt. Mit den Kräften unserer größeren Gemeinschaft konnten wir auch die jährlich steigenden Teilnehmerzahlen meistern. 18 mal in Folge hatten wir die Schüler Nordrhein-Westfalens zu hitzigen Kämpfen nach Essen geladen, dann mußten wir leider mit der liebgewonnenen Tradition brechen und das Turnier einstellen. Aus Platzgründen waren wir von derTurnfesthalle schon in die Bockmühle abgewandert. Bei unserer letzten Veranstaltung hatten wir 24 Bahnen verlegt.
Uns wuchs das Turnier in jeder Hinsicht über den Kopf. Wir hatten auf Gummimatten gefochten, nun wurden Kupferbahnen verlangt. Wir haben mit 5 bis 6 Personen das Turnier vorbereitet, jetzt wurden mehr Helfer gebraucht, die wir nicht fanden. Die Startgelder reichten für die Finanzierung aus, Lücken wurden durch die Stadt durch eine Ausfallbürgschaft gedeckt. Die Umstellung auf Kupferbahnen hätte die Kosten sprunghaft und lawinenartig anwachsen lassen. Da auch Obleute schwer zu bekommen waren, hatten wir uns schweren Herzens entschlossen, einige Jahre auszusezten. Vielleicht fangen wir mal wieder in kleinerem Rahmen an.
Der Hausmeister in der Schule der Söllingstraße hatte nur ein Herz für die Judokas und setzte alles daran, uns aus unserer angestammten Trainingsstätte zu vertreiben. Die Verbindungen der Herren Winkelmann und Schwigat zur Stadt Essen führten dazu, daß uns die in der Wiesenstraße im Bau befindliche Turnhalle angeboten wurde. Nach unseren Vorschlägen wurden dort sogar die elektrischen Leitungen verlegt, so daß jede Bahn ausreichend mit Strom versorgt ist. Mit dem damaligen Hausmeister, Herrn Möckel, hatten wir sogar ein besonders gutes Verhältnis. Die Fechter hatten in der Turnhalle fast "Hausrecht". Diese Turnhalle wollten wir zum Fechtzentrum in Essen ausbauen, wenn wir bei den Mitgliedern die nötige Resonanz finden. Es gab Zeiten, in denen die Halle bereits an 5 Wochentagen von den Fechtern belegt war.
Die Sportförderungspolitik machte es notwendig, daß auch die "essener fechtsport-gemeinschaft (efg)" ein rechtsfähiger Verein wurde. Wir mußten an einer neuen Satzung und an einer neuen Jugendordnung basteln. Die Hauptlast an diesen Arbeiten lag bei unserem Vereinskameraden Harald Genge, der rechtlich auch alles in die Wege leitete, damit wir im Jahre 1979 das Kürzel e. V. an unseren Namenszug hängen konnten. An das große "V" in dem sonst kleingeschriebenen Namen mußten wir uns erst gewöhnen.
Walter Winkelmann betrieb bis ins hohe Alter die Ausbildung der Fechter. Nach dem Fortgang von Herrn Nuschenpickel mußten wir uns allerdings nach einem weiteren Trainer umsehen, da Walter Winkelmann nicht alles alleine schaffen konnte. Wir hatten zunächst
Die efg, ca. 1975
mit FM Eric Mayer (x), Winkelmann (I.), Schwigat und Genge (r.).
von dem Leistungförderungsprogramm der Stadt Essen profitiert, nahmen aber dann nacheinander die Herren Pellegrini, Mayer und Dr. Viganty unter Vertrag. Leider wurden wir mehrfach von den Meistern im Stich gelassen, deshalb beschlossen wir, keine Einzeltrainer mehr anzustellen, sondern die Ausbildungsarbeit auf mehrere Fechtmeister zu verteilen. Im Falle einer Kündigung haben wir deshalb immer die Möglichkeit einer Umverteilung der Schüler. Wir stellten Herrn Schiettecatte, einen belg. Soldaten und Fechtmeister, ein, wir holten Herrn Spierzak, und Falk Schwigat ließ sich ebenfalls zum Diplomfechtmeister ausbilden. Heute liegt die Ausbildung in den Händen der Herren Schwigat (bis 1986), Schiettecatte und Dr. Viganty.
1981 traten die Fechter des Fechtclubs Essen der efg bei und 1982 folgten die Kameraden des ETUF. Die "essener fechtsport-gemeinschaft e. V. " hatte dann über 200 Mitglieder und war einer der größten Fechtvereine innerhalb des Rheinischen Fechterbundes.
Da Fechten kein Volkssport ist, und da Fechten in Essen nicht gerade populär ist, schwanken die Mitgliederzahlen ständig. Anfang 1985 hatte die efg etwa 140 Vereinsangehörige. Zur Festigung der Gemeinschaft, für die theoretische Ausbildung der Schüler und für unsere Versammlungen hatten wir in der Nähe der Turnhalle einen Klubraum angernietet. Obwohl ein eigenes Vereinsheim den Wünschen der Mitglieder entsprach, wurden die Räume in der letzten Zeit nicht so genutzt, daß eine Verlängerung des Mietvertrages zu verantworten gewesen wäre. Diese Räume wurden aufgegeben. Inzwischen sind wir in das Souterrain der Wiesenstraße 46 gezogen, vis à vis der Halle. Jedes Jahr sollte der efg ein besonderes Ereignis bringen. Mal war es ein Wandertag, mal war es eine Fahrt zu einem besonderen Turnier. Die Fahrten nach Weinheim, Traben-Trarbach, Osnabrück und Emden sollen hier besonders erwähnt werden. Weinheim war eine gemütliche Tour mit viel Geselligkeit, Traben war ein Synonym für einen Weinrausch, bei Osnabrück denken wir an die Panne, die der angernietete Omnibus auf der Autobahn hatte. (Trotz Motorschaden waren wir noch die Ersten auf dem Turnier, weil der Veranstalter den Beginn verschoben hatte), Emden ist in Erinnerung, weil wir auf der Rückfahrt Schnee- und Eisglätte auf der Autobahn hatten. Mittlerweile ist Emden in steter und bester Erinnerung, da unsere Fechter fast alles gewinnen, was es dort zu gewinnen gibt. Total übermüdet traten dann unsere Schüler - trotzdem noch mit großem Erfolg - am kommenden Tag beim Etuf zum Nikolausturnier an.
Unsere Wandertage waren auch oft denkwürdige Ereignisse. Einmal hatten wir einen Bus gemietet und waren ins Neandertal gefahren. Nach einer längeren Wanderung durften wir bei einem Wirt in einer
o.r.: Der langjährige Vorsitzende Herbert Edgar Sembritzki
o.l.: Philipp Bänfer, der freudestrahlende Sieger beim Präsidentenpokal1987.
u.: Die efg-Senioren (v.l.) Kar! Heinz Krieb, Hans von der Linden, Ellen Ständer. Daneben Manfred Wulf
oben: Montan-Turnier 1985 in Duisburg
(v.I.: Silvia Nabbefeld, Racula Eremia, Kirsten Bodemann, Thorsten Sembritzki, Doerthe Piepenbreier)
u.l.: Karl Heinz Krieb mit FM Dr. Viganty u. r.: Ehrenpräsident Walter Winkelmann
Ecke des Gartens Würstchen grillen. Der Wirt hatte zwar ein schönes Altbier, aber viel verlockender war der Obstwein, dem hinter unserem Rücken die Vereinsjugend mehr als verträglich zugesprochen hatte. 1984 wurde die Steinkohlenwanderweg in Witten als Ziel ausgewählt. Diese Veranstaltungen mögen aus der Vielzahl der Angebote herausgestellt werden.
Es würde zu weit führen, wenn ich alle Vorstandsmitgleider hier namentlich erwähnen würde. Viele haben geholfen, die efg zu dem aufzubauen, was sie jetzt ist. Viele haben auch mehrere Posten innerhalb des Vorstandes innegehabt. Allen sei gedacht und allen sei gedankt. Ich möchte nur der Reihenfolge nach die Vorsitzenden aufzählen, als da sind die Herren Winkelmann, Schwigat, Sembritzki und Krieb. Alters- und Ehrenpräsident ist Walter Winkelmann. Seit Bestehen der efg haben wir unseren Rundbrief, heute "efg-Anzeiger". Zuerst wurden unsere Mitteilungen nur bei Bedarf versandt, seit 1976 erscheinen unsere Nachrichten "regelmäßig in unregelmäßigen Abständen". Wenn auch unser Anzeiger sich hauptsächlich auf Mitteilungen beschränkt, so kann man aus ihm doch die Vereinsgeschichte herauslesen. Es werden Namen von Kameraden ins Gedächtnis gerufen, die heute den Fechtsport in anderen Vereinen betreiben, es gab erfolgreiche Fechter, die unseren Sport aufgegeben haben. Namen gestalten unsere efg - die Personen dahinter waren Kameraden, Freunde, die Aufbauarbeit geleistet haben und die dann das Werk in andere Hände gelegt haben. Ich wünsche der efg auch für die nächsten Jahre Menschen, die den Idealismus besitzen, für eine Gemeinschaft sich einzusetzen und viel Freizeit zu opfern.
Freizeit zu opfern.
Einer dieser Art ist unser derzeitiger Präsident, Karl Heinz Krieb. Seine Art zu "regieren" , seine Vorstellungen und Wünsche, sein Werdegang und sein Wirken sind beschrieben und nachzulesen im Teil 2.
Eine Meldung muß ich noch nachreichen, die - so glaube ich - aufzeigt, welchen Weg unser Präsident geht: Philip Bänfer, einer unserer Jüngsten vom Jahrgang 1975, konnte 1987 den sogenannten Präsidenten-Pokal erringen. Dieser Pokal, benannt nach dem Präsidenten des Rheinischen Fechterbundes und gestiftet vom damaligen RFB-Präsidenten Rainer Seifert, ist meiner Meinung nach neben den Landes-Schülermeisterschaften der wichtigste Wettkampf für die Jüngsten. Bei unserem Philip ist der Gewinn dieser Trophäe nur die logische Folge in einer Reihe von hervorragenden Leistungen und guten Plazierungen in der letzten Zeit. Ein Beispiel nur und Indiz für die Intentionen von Karl Heinz Krieb.
Chronik der Junioren-Landesmeisterschaft 1955
Schauplatz: Sportschule in Hennef
22.00 Uhr Nachtruhe
22.10 Uhr durch einToilettenfenster entschlüpft 0.30 Uhr aus dem Dorf zurück
0.45 Uhr im Schlafanzug vom 5 m-Brett Turmspringen
1.15 Uhr durchs Fenster zurück, ohne aufzufallen
bis 1. 30 Uhr den Mädchen im nassen Schlafanzug den heiligen Geist gebracht
(Fußsohlen mit schwarzer Schuhwichse eingerieben)
Am nächsten Tag
9.30 Uhr Turnierbeginn
17.00 Uhr Landesmeister der Junioren

