Autor:
Karl Matthies
veröffentlicht: 1987
Emil Leonhard
Ein großer Glücksfall für den Essener Fechtsport war, daß Emil Leonhard mit seiner Frau Ella nach Essen kam, um sich nach Besuch des ersten Nachkriegsturniers 1949 den Essener Fechtern anzuschließen, die 1950 dem ETUF beitraten.
Emil Leonhard und seine Frau waren exzellent ausgebildete Fechter, die nur ungern noch Turniere bestritten, vielmehr als Ausbilder und Lehrer des Nachwuchses tätig sein wollten.
Doch der Reihe nach.
Emil Leonhard wurde 1904 in Kassel geboren und begann seine fechterische Laufbahn 1919 in Dresden, wo er mit sieben weiteren Gymnasiasten Privatunterricht von Herrn v. Ciriacy-Wantrup als erstem Lehrer erhielt. Damals begann man mit dem Fechten nicht so früh wie heute, die Schüler waren schon 14- bis 15jährig. "Von Meister v. Ciriacy, einem hervorragenden Pädagogen, erhielt ich beim ersten Jugendturnier sein Lehrbuch mit persönlicher Widmung als Preis; ich war sehr stolz".
Es wurde ein für die damalige Zeit höchst ungewöhnliches Unternehmen praktiziert, nämlich ein Schülerfechtklub gegründet. Die Mannschaft dieses Vereins wurde wegen bsonders gediegener Ausbildung Anfang der 20er Jahre schon zur Teilnahme an den Deutschen Mannschaftsmeisterschaften zugelassen.
Auf v. Ciriacy folgte nun, 1923 als Fechtmeister Othmar Melichar, der ebenfalls durch ein Lehrbuch, vor allem aber durch die systematische Heranbildung junger Fechtmeister, über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden ist. "Er war uns ein väterlicher Freund"!
Inzwischen Mitglied des Dresdner Fechtclubs geworden, erhielt Emil Leonhard nunmehr auch im Florett bevorzugt Stunden beim Meister. Als besonders glücklichen Umstand bezeichnet er dieTatsache, daß für einige Zeit auch Erwin Casmir - er verkörperte die klassische italienische Schule in Reinkultur - Mitglied im Dresdner Fechtklub war. "Mit seiner wundervoll geschliffenen Technik und seiner bei aller Dynamik stets beherrschten und ritterlichen Kampfweise wurde er mir Vorbild". (Casmir blieb übrigens acht Jahre in Deutschland in allen drei Waffen ungeschlagen; von seinen internationalen Erfolgen ganz zu schweigen).
1925 taucht der Name Emil Leonhard zum ersten Mal anl. der Deutschen Mannschaftsmeisterschaften in der Mannschaft des Dresdner Fechtclub auf; sie wurde im Florett 3. hinter FC Hermannia Frankfurt (Casmir, Jach, Moos, Schön) und FK Offenbach von 1863 (Halberstadt, Gazzera, Talman, Thomson), im Säbel sogar 2. hinter Offenbach und vor Frankfurt.
Bei den Deutschen Meisterschaften in Erfurt (1926) gelangte Emil Leonhard zum ersten Male in ein deutsches Meisterschaftsfinale (Säbel). Nach Casmir, H. Thomson (F.C. Offenbach) und H. Moos (Hermannia Frankfurt) kam er auf Platz vier. (Eine Endrunde umfaßte damals neun Fechter).
1927 finden wir Emil Leonhard in der Mannschaft des DFC Hannover - sie wurde 4. im Florett hinter Frankfurt, Hamburg und Offenbach
- und als Fähnrich im 12. Sächs. R.-R. beim Deutschen Offiziersfechtturnier im Säbel als Sieger und im Florett an 4. Stelle.
Nachdem er auch bei anderen nationalen und internationalen Wettkämpfen gut abgeschnitten hatte, konnte er mit einem Verbleib in der deutschen Spitzengruppe rechnen. Das Bestreben von Emil Leonhard ging nun dahin, an den olympischen Spielen in Amsterdam (1928) teilnehmen zu können, doch eine schwere Operation warf ihn vor Aufnahme einer entsprechend intensiven Vorbereitung für längere Zeit zurück. Nach Wiederaufnahme des Trainings brachte 1931, nachdem er bei den Deutschen Meisterschaften sowohl im Florett als auch im Säbel 3. geworden war, einen Höhepunkt seiner fechterischen Laufbahn durch Aufnahme in die Nationalmannschaft und Teilnahme an den Europa-Meisterschaften in Wien. Mit der Säbelmannschaft Casmir, Eisenecker, Leonhard, H. Thomson gewann er hinter Ungarn und Italien die Bronzemedaille. Emil Leonhard stand bei der Europameisterschaft auch in der Florettmannschaft (Casmir, Rosenbauer, Leonhard, Eisenecker). Im Rahmen dieser Meisterschaften wurden Kämpfe gegen Österreich, Italien, Griechenland und Tschechoslowakei ausgetragen. (Bis 1935 wurden lediglich Europa-Meisterschaften ausgetragen; Weltmeisterschaften gibt es erst seit 1937).
Emil Leonhard bei den Europameisterschaften 1931
Bis Mitte der 30er Jahre blieb Emil Leonhard aktiv. "Besonders schöne Erinnerungen an diese Zeit meines Fechterlebens sind die Assauts, die Schaukämpfe auf Fechtakademien. Dort konnte ich mit Fechtmeistern und meisterlich fechtenden Amateuren die Klingen kreuzen. Besonders gerne erinnere ich mich an mein Schaugefecht mit Helen Maier vor großem Publikum (1930 in Dresden). Als Olympiasiegerin und mehrfache Weltmeisterin war sie ganz zweifellos die bedeutendste Fechterin der Epoche".
Wir Essener Fechter, die wir Emil Leonhard bei Akademien und Assauts erleben durften, seine Ausbildungsarbeit eingeschlossen, waren beeindruckt von seinem Fechtstil, von der Beherrschung des Körpers und derWaffe, und wir erlebten noch das Fechten in geistiger Druchdringung als Kunst.
Nach dem Eintritt in den ETUF begann die 2. fechterische Karriere von Emil Leonhard.
"Ich widmete mich nun vorwiegend der Heranbildung von Fechternachwuchs. Entgegen meinem eigentlichen Naturell brachte ich für diese Tätigkeit eine Engelsgeduld auf. Docendo discitur, beim Lehren lernt man; ja, man lernt unendlich viel dabei, besonders, wenn man mit so außergewöhnlich tüchtigen Fechtpädagogen zusammenarbeitet, wie es die allzu früh verstorbenen Diplom- Fechtmeisterin Lilo Grasses war, die lange Jahre beim ETUF segensreich wirkte. Wir waren gut befreundet und hatten einen regen Meinungssaustausch, bei dem es manchmal sogar hart zuging. Von ihr habe ich in didaktischer Hinsicht viel übernommen. Ich spezialisierte mich ganz auf das Florett, weil mir die Entwicklung im Säbelfechten nicht behagte und ich vom Degen wenig verstand. "
Nach seinen eigenen Worten war Emil Leonhard immer bestrebt, bei seiner Lehrtätigkeit dem Schüler eine vertiefte Ausbildung zuteil werden zu lassen, nicht zuletzt deshalb, weil ihm, dem Schüler, nur so die Freude an unserem schönen Sport über lange Jahre erhalten bleibt. Die besten Beispiele sind Manfred Wulf und der heute in Hamburg lebende Horst Rabe, die nicht nur beide bis heute dabeigeblieben, sondern selbst schon Fechter-Väter sind.
Über die Ausbildung der Jugend schrieb Emil Leonhard u.a.:
"Fechten ist ein moderner Sport, der wie kaum ein anderer den Körper und den Geist schult. Die Ausübung des Fechtsports führt zu einer guten Lockerung und Durchblutung des Körpers, zu Gleichgewicht, verfeinertem Tastgefühl und Schnellkraft; sie entwickelt aber auch die Fähigkeit zu geistiger Konzentration, zum scharfen Beobachten, und erhöht Entschlußkraft und Ausdauer. Und nicht zu vergessen: sie lehrt Selbstbeherrschung und Fairness. Mit diesen erzieherischen Werten ist das Fechten ein idealer Sport für Jugendliche, so recht geeignet, Individualisten im besten Sinne des Wortes heranzubilden, fern von allem Massenbetrieb. Gymnastik und Ausgleichssport auf dem Fechtsaal sorgen dafür, daß Einseitigkeit oder gar Verbildungen vermieden werden.
Sicher ist für den Neuling der Beginn nicht leicht. Um eine regelmäßige, intensive und andauernde Schulung kommt keiner herum, der einmal im Wettkampf ein solides Können einsetzen will. Aber gerade der Umstand, daß hier vom Jugendlichen schon Beharrlichkeit auf lange Sicht verlangt wird, die er, mehr als in der Schule, aus eigenem Antrieb aufbringen muß, dürfte von besonderem Wert für die Entwicklung des Charakters sein. Und bei beharrlicher Arbeit werden die Früchte nicht ausbleiben. Der junge Fechter oder die junge Fechterin, die einmal erfaßt hat, worauf es ankommt und vielleicht ihre ersten Erfolge von Anfängerturnieren heimbringen, werden von diesem schönen Sport so leicht nicht mehr lassen".
Mehr als drei Jahrzehnte widmete sich Emil Leonhard mit Passion und leidenschaftlichem Engagement der Ausbildung von jugendlichen Fechtern. An Höhen und Tiefen, Freude und Enttäuschungen, Zustimmung und Kritik hat es nicht gefehlt. Er selbst stellte bei der Betrachtung der Ausbildunsprobleme fest, daß die Schwierigkeiten nicht gering sind. Die Fechtkunst ist eben schwer zu lernen, Jahre braucht der Ausbilder, um dem Schüler nur die reine Mechanik der Bewegung und Waffenführung gründlich beizubringen, und dann kann erst die höhere Unterweisung in der Fechtkunst beginnen. Es bedarf großer Beständigkeit bei Ausbildern und Schülern, wenn wirklich etwas erreicht werden soll. Aber, so stellte Emil Leonhard etwas resignierend fest, dieser talentierte Nachwuchsfechter verläßt Essen, um zu studieren, jener verliert das Interesse, ein Dritter wird schon frühzeitig durch den Beruf vom Training abgehalten. Viel Mühe ist da umsonst, viele Hoffnungen werden zunichte ....
Anläßlich des 75jährigen Bestehens der Fechtriege und damit des ETUF (1959) verfaßte Emil Leonhard die Geschichte der Fechtriege. Hieraus stammen die vorgenannten Ausführungen.
Den an ihn herangetragenen Aufgaben hat er sich nicht entzogen, wenn er auch von "Vereinsmeierei" gar nichts hielt. Bei seinem Engagement für's Fechten blieb es nicht aus, daß seine dezidierte Meinung gefragt und geschätzt war. Bald wußte auch der Deutsche Fechterbund seine Meinung zu schätzen.
Emil Leonhard schrieb zahlreiche Beiträge für das offizielle Organ des DFB "Sportfechten" . Themen: Ausbildungsfragen, Kritik am Text des Reglements, der oft von nationalen Auffassungen und sprachlichen Unzulänglichkeiten einseitig geprägt war, Fehlentwicklungen in der Kampf- und Schiedsgerichtpraxis.
Sein Ziel war es, den Anteil der Fechtkunst beim Fechtsport deutlich zu machen. Zahlreiche Beiträge zu Randfragen und technischen Details wurden veröffentlicht. Seine ausgezeichneten Sprachkenntnisse erlaubten ihm die französischen und italienischen Fachzeitungen und sonstige Veröffentlichungen zu analysieren.
1972 war Emil Leonhard Mitglied des Organisations-Ausschusses zur Ausrichtung des Olympischen Fechttumiers München.
1973 legte er nach langen Vorarbeiten eine Studie vor mit dem Titel:
"Vorschläge für die Neufassung der Florett- und Säbelkonventionen". Anlaß zu dieser Arbeit war vor allem das damalige Abgleiten des Säbelfechtens auf eine ganz falsche Bahn, eine Entwicklung, die den Verantwortlichen im internationalen Fechtsport große Sorgen bereitete.
In dieser Studie versuchte ich, die weitgehend verschütteten gedanklichen Grundlagen des konventionellen Fechtens wieder freizulegen, und zwar mit einer ausführlichen Fassung des für das rauhe Klima des modernen Leitsungssports keineswegs mehr ausreichenden Reglement-Textes. Die Studie von Herrn Leonhard fand hierzulande großen Anklang. Besonders aufgeschlossen zeigte sich Klaus Dieter Güse, Mitglied des Exekutiv-Komitees der F.I.E. (Federation Internationale d'Escrime) und seit 1978 Präsident des Deutschen Fechterbundes. Er forderte ihn auf, eine französische Fassung der Studie zu erarbeiten, die dann in internationalen Expertenkreisen ein überraschend positives Echo fand. 1975 wurde er von de F.I.E. zu den Weltmeisterschaften nach Budapest eingeladen, wo er vor dem internationalen Schiedsgerichtsseminar seine Thesen vertreten konnte. Er führte dort einleitend aus: "Meine Herren!
Ich danke der Commission de L'Arbitrage und namentlich Monsieur Edgar Mercier für die Einladung zu diesem Seminar. Die mir damit erwiesene Ehre weiß ich zu schätzen.
Eine völlige Änderung von Artikeln oder ganzen Abschnitten des Regelements, wie sie in meiner Studie nachdrücklich empfohlen wird, dürfte in jedem Falle ein langfristiges Vorhaben sein. Ich glaube daher nicht, daß uns der heutige Gedankenaustausch schon konkrete Ergebnisse einbringen kann. Doch haben wir hier eine ausgezeichnete Gelegenheit zu einer gründlichen und konstruktiven Diskussion. Denn Sie, meine Herren, die Sie so große Erfahrung in der internationalen Kampfgerichtspraxis besitzen, scheinen mir wie niemand sonst berufen, ein Urteil, insbesondere über die Durchsetzbarkeit meiner Vorschläge, abzugeben.
Ein Mann in meinen Jahren gilt leicht als verknöcherter Traditionalist. Ich möchte deshalb von vornherein erklären, daß ich keineswesgs "auf der Suche nach der verlorenen Zeit" bin. Bei der Erarbeitung dieser Studie habe ich mich einzig und allein von dem Geist oder, wenn Sie so wollen, von den Intentionen des derzeit gültigen Reglements leiten lassen. Konservativ, ja, das muß man sein, wenn es um die Prinzipien geht, die sind unwandelbar. Den Text jedoch, der sie formuliert, halte ich durchaus nicht für sakrosankt. Ich spreche hier insbesondere von den Artikeln 233 bis 237 (Florett) und 417 bis 422 (Säbel). Was die Neufassung betrifft, die ich für diese Ziffern vorschlage, so bin ich, wie Sie bei der Lektüre meiner Arbeit sicher festgestellt haben, eher radikal. Der bisherige Text dieses Kapitels ist - gelinde gesagt - unzureichend. Ich habe auf Seite 20 und 21 meiner Arbeit auf diejenigen Fehler und Lücken hingewiesen, die ich für die schwerwiegendsten halte. Dieser Text, der nicht dadurch gewinnt, daß er in jede Neuausgabe des Reglements übernommen wird, konnte allenfalls genügen zu einer Zeit, da jeder Fechter ohnehin mit dem Begriff" Treffvorrecht" ganz klare Vorstellungen verband. Man entschuldigte sich damals in aller Form, wenn man aus Versehen ein Inkontro verursacht hatte, das zu jener Zeit nach als das empfunden wurde, was es tatsächlich ist: ein Verstoß gegen den Geist der Fechtkunst.
Die ursprünglichen Verfasser dieses Textes konnten nicht voraussehen, was einmal aus dem konventionellen Fechten werden würde. Sie konnten nicht das Klima des modernen Leistungssports vorausahnen, in dem die Motivation und die Orientierung des Wettkämpfers sich grundlegend gewandelt haben. Mit den mächtigen Einflüssen, ja, Zwängen dieses Klimas ist die Wahrung der Konventionen, also einer akademischen oder, wenn man will, abstrakten Komponente unseres Sports, sehr, sehr schwer zu vereinbaren. Das ist meines Erachtens die Lehre, die wir aus der Entwicklung des Florett- und Säbelfechtens in den letzten zwei bis drei Jahrzehnten ziehen müssen. Um einem Verfall dieser Disziplinen wirksam zu begegnen, brauchen wir also im Reglement einen überzeugenderen Text als Gegengewicht.
Wie Sie wissen, wurde meine Studie der F. I. E. offiziell als .Ausgangsmodell" eingereicht. Sie ist vielleicht noch in diesem oder jenem Punkt anfechtbar. Wie könnte es auch anders sein? Sie werden mir aber gestatten, die Ergebnisse meiner langen und gründlichen Überlegungen ganz freimütig zu vertreten. Zur Beantwortung Ihrer Fragen oder Einwände stehe ich Ihnen zur Verfügung und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. " .
Verschiedene der in seiner Studie enthaltenen Anregungen haben bereits in der offiziellen Textgestaltung des Reglements ihren Niederschlag gefunden. Im Herbst 1977 hielt er, wiederum auf Veranlassung von Herrn Güse, einen Vortrag zum gleichen Thema vor dem internationalen Obleuteseminar in Hannover. Er nahm dort mit großer Befriedigung zur Kenntnis, daß die F.l.E. bereits die Bildung einer Sonderkommission zur Erarbeitung eines offiziellen Gesamttextes beschlossen hatte;
Festakt zum 75. Geburtstag 1979
Anläßlich seines 75. Geburtstages veranstaltete zu seinen Ehren die Fechtriege eine Fechtakademie in der Friedrich-Alfred- Krupp-Halle auf dem ETUF-Gelände in Hügel. "Sportfechten" , das offizielle Organ des D.F.B., berichtet seinerzeit ausführlich, hier ein Auszug: .Anlaßlicb des 75. Geburtstages von Emil Leonhard ließ sich die Fechtriege des ETUF für sein verdientes und prominentes Mitglied eine Ehrung einfallen, die passender und stilvoller nicht hätte sein können. Nicht etwa in einem Nobelrahmen, sondern ganz einfach in der festlich geschmückten Fechthalle, in welcher Emil Leonhard schon so lange für den ETUF in aller Bescheidenheit wirkt, fand unter der liebevollen Organisation von Karl Matthies eine Fechtakademie mit entsprechend geschliffenen Vorführungen statt. Damit eine gewisse Spannung erzielt wurde, waren die offiziellen Ehrungen, mit denen Emil Leonhard geradezu überschüttet wurde, sinnvoll in den sportlichen Ablauf eingebaut worden.
Aufgrund seiner sprichwörtlichen Zurückhaltung und Bescheidenheit war sehr wenig von Emil Leonhard bekannt geworden, darum drang auch immer wieder ein erstauntes Raunen und freudiger Beifall aus dem Zuschauer- und Gästekreis, als mit den einzelnen Ansprachen seine Verdienste ans Tageslicht kamen.
Karl-Heinz Krieb, damaliger Vorsitzender der ETUF-Fechtriege, übertrug dem langjährigen Mitglied nunmehr die Ehrenmitgliedschaft der Riege, jedoch Emil Leonhard will diese weiterhin unterstützen, "denn so rosig ist der Finanzhaushalt dort auch wieder nicht". Vom Deutschen Fechterbund erhielt er die höchste Ehrenbezeigung, die goldene Ehrenplakette für besondere Verdienste im Deutschen Fechtsport; vom Rheinischen Fechterbund die goldene Ehrennadel. Bedingt durch andere Verpflichtungen ließ Sportdirektor Hoffmann (Essen) im Namen des Nationalen Olympischen Komitees durch den Spartenleiter für Fechten, Hans von der Linden, die Leistungsplakette der Deutschen Olympischen Gesellschaft überreichen. Vom Stadtsportbund Essen wurden ihm Anerkennung und Blumengrüße für die Gattin zuteil, das sind nur die wichtigsten der vielen Auszeichnungen. Emil Leonhard hat nie Wert auf die Veröffentlichung seiner Verdienste gelegt, obschon er außerdem auch noch der "eleganteste und stilistisch anspruchsvollste Fechter der Bundesrepublik war und ist", lobte und zitierte Herr Jansen in seiner Eigenschaft als Ehrenmitglied und Beauftragter des DFB und stellvertretend für den Präsidenten des DFB.
Die Fechtlaufbahn Emil Leonhards, die er mit 15 Jahren begann, umfaßt grob umrissen drei Punkte.
1. Der aktive und erfolgreiche Sportler.
2. Ausbilder und Lehrer des Nachwuchses.
3. Publizist und Bewahrer alter Traditionen.
Emil Leonhard ist bis auf das Äußerste auf eine solide Ausbildung bedacht, und bislang .striezte" er sein Schüler wahrlich. In letzter Zeit "läßt er aber schon mal fünf gerade sein ", jedoch die rollenden Augen seiner Klubkameraden sprachen dabei Bände.
In seiner Dankesrede bekundete er offene Freude über diese gelungene Veranstaltung, er freute sich über die Harmonie in der Fechtriege und lobte die prächtige Jugend. Allerdings lehnte eine Massenproduktion von Fechterschülern ab, da dies auf Kosten einer guten und letztlich zum Erfolg führenden Schule ginge. Nach reiflichen Überlegungen hat er sich zum "weitermachen" entschlossen, "wenn auch vieles dagegen spricht". Das Fechten ist sein Hobby, hält ihn jung und fit, unterstützt wird er darin auch von seiner liebenswerten Gattin. "Mit dieser Akademie zeigt sich, daß das Fechten gerade ohne Leistungsdruck nichts von seiner Faszination in dieser Zeit verloren hat", so bedankte er sich für die dargebrachten Aufmerksamkeiten.
Und Emil Leonhard weiter:
"So hat der Fechtsport mir in langen Jahrzehnten zwar manch eine Enttäuschung, aber auch sehr viel Freude und Genugtuung gebracht. Er brachte mir geradezu das Große Los in Gestalt meiner Frau, die ich einst auf dem Fechtsaal kennenlernte. "
Frau Ella Leonhard als ehemalige Solotänzerin am Dresdner Staatstheater und ausgebildete Fechterin leistete viel Basisarbeit. Ihre Auflockerungsgymnastik vor dem eigentlichen Trainingsbeginn war sehr wirkungsvoll und für "jedermann" interessant.
Obwohl sich Emil Leonhard vom aktiven Fechtsport zurückgezogen hat, verfolgt er noch immer aufmerksam und kritisch das nationale und internationale fechterische .. Geschehen Nicht unerwähnt bleiben sollte seine Dozententätigkeit im Rahmen der Fechtausbildung der ADFD. (Akademie der Fechtkunst Deutschlands). Seine Meinung ist in zahlreichen Gremien gefragt, und wir wünschen Emil Leonhard und seiner Frau weiterhin Gesundheit und noch viele Jahre tätigen "Ruhestandes", auch zum Wohle des Essener Fechtsportes.
Spricht ein Waffenbruder nach der Säbelrunde den Obmann an:
"Haben Sie mal 10 Sekunden Zeit für mich?" ,,Aber sicher! - Was gibt's denn?"
"Dann erzählen sie mir bitte einmal alles, was sie über den Fechtsport und seine Regeln wissen!"

