Autor:
Walter Winkelmann

veröffentlicht: 1987





Jupp Banaszek (1906-1967)



Es war im Herbst 1924 als der Kreisvorstand der DT (Deutsche Turnerschaft) dieTurnvereine des Kreises Essen davon unterrichtete, daß eine neue sportliche Betätigung eingeführt werden soll: das Sportfechten.

Einer der Ersten, der sich zurTeilnahme meldete, war Jupp Banaszek. Als aktiver Turner und zuletzt als Vorturner (= Übungsleiter) von jung an tätig, war er sportlich gut vorgebildet und durchtrainiert, so lernte er das Fechten schnell. Nach gründlicher Schulung gründete er 1929 in seinem Heimatverein "Werdener Turnerbund" eine eigene Fechtriege, doch auf Turnieren startet er noch lange für die Waffenbrüderschaft.

Lernbegierig besuchte er alle Lehrgänge des Rheinischen Fechtverbandes der DT und entwickelte sich so zu einem tüchtigen Amateurausbilder. Sein Lehrprinzip war, seinen Schülern eine präzise Grundausbildung zu vermitteln, dazu viel Gymnastik und Beinarbeit, sowie eine fundierte Psychotechnik, d.h. das Wesen der Wettkampftaktik. Und damit hatte er Erfolg, immerhin machten in der Vorkriegszeit 6 Fechterinnen, 18 Florettfechter und 9 Säbelfechter ihre amtliche Anfängerprüfung. Und bald waren die" Werdener" auf den Turnieren im Rheinland erfolgreich, besonders die Mannschaft der Juniorinnen war über die Landesgrenzen hinaus oftmals siegreich.

Zu erwähnen sind besonders: Hanni Banaszek, Lissy Schmitz (sie führte die Fechtriege bis vor einigen Jahren mit großem Einsatz), Fee Gräwingholt, Freifrau von Müffling, Ulla Eisenburger u.a.

Von den Fechtern taten sich hervor: Klaus Kniepen, Willy Loewenich, Paul Schaub, Hans Seidel, Rudi Rombeck.

Auch als Organisator machte Jupp Banaszek Werden in der Vor- und Nachkriegszeit zu einem beliebten Turnierort. Nicht nur Landesmeisterschaften, auch das jährlich ausgetragene Altherrenturnier und nicht zuletzt das bekannte Nikolausturnier waren sehr beliebt. Und wenn auf diesem Turnier Willy Loewenich mit den in eigener Backstube hergestellten "Weckmännern" zur Preisverteilung eintraf, war der Jubel groß: die Endrundenteilnehmer erhielten die Riesenausgabe, alle anderen Turnierteilnehmer einen Ministutenkerl.

Der Krieg legte dann alle sportlichen Aktivitäten lahm. Auch Jupp Banaszek wurde Anfang des Krieges eingezogen. Lissy Schmitz und Fritz Banner führten die Fechtabteilung weiter. Als er aus der Gefangenschaft nach Hause kam, mußte er den Verlust eines Auges beklagen. Doch sein Engagement für den geliebten Fechtsport war ungebrochen. Sofort begann er, "seine" Fechtriege im WTB wieder aufzubauen. Nach Aufhebung des Fechtverbotes durch die Alliierten nahm er an der Gründung des Rheinischen und des Deutschen Fechterbundes in Bonn teil (Ende 1949). Hierbei wurde er zum Sportwart des RFB und zum Säbelfachwart des Deutschen Fechterbundes gewählt. Nun wurde er auch in der ganzen Bundesrepublik bekannt und seine Beliebtheit stieg ständig. In diesen frühen Jahren der Wiederbelebung des modernen Fechtens war er in fast allen Endrunden der Deutschen Meisterschaften zu finden - trotz seines Alters und seiner Behinderung: als Mannschaftsführer der Säbel-Nationalmannschaft fuhr er u.a. nach Polen und England. Seine Hauptaufgabe sah er jedoch immer in der Obmanntätigkeit auf allen Turnieren von lokalen bis zur Deutschen Meisterschaft. Auch hierbei war er sehr beliebt. Trotz oder gerade weil es beim Säbelfechten noch keine elektrische Trefferanzeige gibt und der Obmann auf vier Seiteririchter mitangewiesen ist bei seinen oftmals schwierigen Entscheidungen.

Einmal bestürmte ein damals bekannter Säbelfechter, der mit B. 's Entscheidung nicht einverstanden war, in höchster Erregung zu ihm mit den Worten: "Herr Obmann, ich will mein Recht!" B. sagte seelenruhig: "Jawohl, das bekommen Sie auch." Genau wiederholte er die Aktionen der beiden Fechter, die zu dieser umstrittenen Situation geführt hatten, befragte die Seitenrichter erneut und sagte:

"Hier haben Sie Ihr Recht: Sie sind gültig getroffen!". Beifall bei den Zuschauern.

Eine heimtückische Krankheit riß diesen so überaus beliebten Mann am 6. Oktober 1967 mitten aus reichstem Schaffen aus dem Leben.

Ein Leben für den Fechtsport, jede frei Minute widmete er seinem Hobby Fechten. Die Werdener Fechter bemühen sich, "sein" Werk zu erhalten.



Jupp Banaszek ist bei allen, die ihn kannten, unvergessen. Unvergeßlieh wird mir auch die Art und Weise bleiben, wie Klaus Kniepen auf dem Bergfriedhof in Heidhausen Abschied von seinem 1967 viel zu früh verstorbenen Vereins- und Mannschaftskameraden Jupp Banaszek nahm. Er warf eine zerbrochene, mit einem Band in den Farben des Werdener TB zusammengehaltene Klinge in das Grab.