Autor:
Hans von der Linden
veröffentlicht: 1987
Walter Winkelmann
Wenn die Geschichte des Essener Fechtsportes geschrieben wird, dann muß der Name Walter Winkelmann genannt werden, der diesen Sport schon im Mai 1925 publikumswirksam und mit heute noch gültigen Richtlinien in Essen vorstellte. In den 60 Jahren seines Wirkens stellte er sich immer als der Ausbilder, Organisator und Fechter dar und wurde in diesen Eigenschaften weit über die Grenzen Essens auch in Deutschland bekannt. Seine damit verbundene Maxime lautete: einen Beitrag zum Gemeinwohl zu leisten und Freude zu bereiten. Diese Freude fand er selbst in der Arbeit mit den Jugendlichen als Vorbild und Förderer. Diese Jugendarbeit, die er selbst die Basisarbeit nennt, hat ihn während seines ganzen fechterisehen Lebens bis heute verfolgt und selbst innerlich jung erhalten. Seine Wahl 1927 zum Fechtwart der "Waffenbrüderschaft Essen" war bestimmend für sein Fechterleben bis zum heutigen Tag. Erstrangig war für ihn die Ausrichtung auf eine gemeinsame Basis um das Ausbildungspotential zu verbessern. Es gehörte viel Überzeugungskraft dazu alle von dieser notwendigen Organisationsmaßnahme zu überzeugen. Noch heute steht und fällt ein Fechtverein mit der Güte seiner Ausbildungsmöglichkeiten. Er, der das Fechten als eine Kunst verstand und auch kunstvoll betrieb, wollte durch eine durchdachte Organisation diese Kunst vielen näherbringen.
Ab 1933 kam eine etwas schwierige Zeit im Fechtsport, da die Herrschenden den Sport für politische Zwecke umfunktionieren wollten. Diese Zeit hat Winkelmann mit Geschick und persönlichem Mut unbeschadet überstanden. Durch die Gründung einer Kinder- u. Jugendabteilung (1934) erweiterte Winkelmann das Angebot im Sportfechten. Die Ausbildungsarbeit teilte er sich mit Karl Wiemann, der schon einen guten Ruf als Fechter hatte. Der Erfolg dieser Arbeit fand 1936 in einem Bericht des Trainers der Olympiamannschaft Fechtmeister Hollos seine Anerkennung. Hier hieß es, daß in Wien, Düsseldorf und Essen die beste Jugend- u. Aufbauarbeit geleistet wurde. Winkelmann hat auch zu dieser Zeit noch als Aktiver viele Titel im Florett und Säbel errungen und dabei den Wandel der Fechttechnik und Wettkampf technik beobachtet. Seine gewonnene Devise, daß die Ausbilder in einem Verein alle Grundübungen einheitlich lehren sollen, fand er auf vielen Lehrgängen die er besuchte bestätigt. Alle diese Erkenntnisse flossen in seine Lehrtätigkeit im Verein ein.
Walter Winkelmann mit Fritz Schwigat 1931
Die durch die intensive Arbeit von Winkelmann gebildete Gemeinschaft "Waffenbrüderschaft" erlebte so ihre Erfolge, Freuden, aber auch Enttäuschungen und Rückschläge. Seine Förderung des Gemeinschaftsgedankens ließ viele Kameradschaften und Freundschaften entstehen, die noch heute Bestand haben.
Durch den Beginn des 2. Weltkrieges fand diese Entwicklung zuerst einmal ihr Ende. Winkelmann wurde 1943 in das Elsaß verschlagen. Seine Liebe zum Fechten und der Drang, die Fechtkunst der Jugend näher zu bringen, brachten ihn dazu, in seiner "Kriegsheimat" Mülhausen den Verein "Milhousiana" wieder neu aufleben zu lassen. Unter seiner Feder fanden 1944 die Elsässischen Landesmeisterschaften statt und er führte im gleichen Jahr eine elsässische Jugendauswahl zu den Deutschen Meisterschaften nach Prag.
Nach dem Kriegsende 1945 wurde das Fechten durch einen Kontrollratsbeschluß in Deutschland verboten. Winkelmann nahm sofort Kontakt mit Paul Schulze (Düsseldorf) und noch fünf anderen Fechtern aus dem Rheinland auf mit dem Ziel, bei den Alliierten eine Aufhebung des Verbotes zu erreichen.
1947 kehrte W. nach Essen zurück und rief die alten Fechter wieder um sich, um mit ihnen in seiner Privatwohnung den Fechtsport, trotz Verbot auszuüben und in Essen wieder neu zu organisieren. Bis zur Gründung des Deutschen Fechterbundes 1949 wurde in seiner Wohnung illegal gefochten. Paul Schulze berief W. als Schriftwart in einen neu zu gründenden Rheinischen Fechterbund, wo es seine Aufgabe war, einen Entwurf für eine Satzung zu erstellen. In Essen trafen sich wieder die Mitglieder der "Waffenbrüderschaft" unter seiner Leitung in der Luisenschule. Der Name "Waffenbrüderschaft" wurde aber offiziell nicht mehr geduldet und so ergab sich zur selben Zeit (1950) der Wunsch des ETUF e. V., entsprechend dem Vereinsnamen, wieder eine Fechtriege zu haben. Winkelmann war es, der Kontakt aufnahm, um dann die Mitglieder der "Waffenbrüderschaft" gemeinsam in den ETUFe.V. zu führen. W. war hier bis 1959 Vorsitzender und erhielt die goldene Ehrennadel des ETUF. Wichtige Ereignisse führten jedoch dazu, daß W. den ETUF 1960 verließ um anderweitig die Jugendarbeit in der "Sportfechtgemeinschaft der höheren Schulen in Essen" zu organisieren. Mit dieser Gemeinschaft organisierte W. die ersten Schülerturniere in Nordrhein-Westfalen. Er wurde damit zum Wegbereiter der Schülerturniere in der Bundesrepublik. Seine letzte aufbauende Arbeit war 1969 die Zusammenführung von drei Fechtsportgemeinschaften (TUS Helene, Studentensäbelgemeinschaft und die Sportfechtgemeinschaft der Höheren Schulen) zu einem Verein, der essener fechtsport gemeinschaft (efg) , deren Ehrenvorsitzender W. noch heute ist.
In all den Jahren erhielt W. für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten viele Ehrungen, von denen drei etwas über seinen Bekanntheitsgrad im Fechtsport aussagen: Silberne Ehrennadel des Deutschen Fechterbundes, goldene Ehrennadel des Rheinischen Fechterbundes und die Plakette der Stadt Essen für verdiente Vereinsführung.
Sechzig Jahre Fechterleben haben den heute 84jährigen jung erhalten, und Vielen gibt er heute noch gute Ratschläge.

