Autorin:
Irmin Schmuck

veröffentlicht: 1987

Fechten im
Werdener Turnerbund v. 1886 e.V.
Von den Anfängen bis zur Gegenwart


Die Gründung

Die heutige Fechtabteilung des Werdener Turnerbundes v. 1886 e. V. (WTB) wurde 1929 als „Fechtriege des Turnerbundes Werden" auf Initiative des Turnbruders Josef Banaszek gegründet und fast 40 Jahre durch ihn geleitet und geprägt. J. Banaszek gehörte seit 1923/24 dem damaligen Turnerbund Werden an, in dem zu dieser Zeit nur Knaben- und Männerturnen im Jahnschen Sinne betrieben wurde. „Jupp" wie ihn seine Freunde nannten - war nicht nur ein sehr aktiver und erfolgreicher Turner, sondern auch das, was man heute einen engagierten Funktionär nennen würde. Er beteiligte sich maßgebend an der Gestaltung des Vereinslebens. 1925 war er Mitbegründer der Handballabteilung, 1926 wurde er Spielwart. Fünf Jahre spielte er als Verteidiger in einer Handballmannschaft und leitete, nachdem er 1927 die Schiedsrichterprüfung bestanden hatte, zahlreiche Spiele. 1931 wurde auf seine Anregung eine Hausfrauenabteilung gegründet.

Seit 1924 faszinierte ihn darüberhinaus das Fechten, das er anläßlich einer in Essen ausgetragenen Kreismeisterschaft der Deutschen Turnerschaft kennengelernt hatte. Als eines der ersten Mitglieder trat er der kurz darauf gegründeten „Bezirksfechtriege der DT in Essen" bei und wurde Mitglied der daraus entstandenen "Waffenbrüderschaft Essen". Auf Anraten des damaligen Vorsitzenden des Turnerbundes Werden, Albert Henniges, warb J. Banaszek Ende 1928 in der Vereinszeitung um weitere Interessenten für das Fechten in Werden, um auch diese Sportart in seinem Heimatverein einführen zu können Die Turnbrüder Fritz Bergstein (späterer Vorsitzender des Turnerbundes), Willi Engelskamp, Kurt Dörneburg, Rudi Rombeck und Paul Schaub folgten dem Aufruf und im Januar 1929 wurde im Vereinslokal Obertüschen (später "Zum Drügen") in der Werdener Heckstraße die „Fechtriege im Turnerbund Werden von 1886 e. V." aus der Taufe gehoben. Diese Bezeichnung sollte deutlich machen, daß es sich hier .nicht um eine Abteilung des Vereins, sondern um eine weitere Riege innerhalb des Turnbetriebes handelte. Eine Spezialisierung wie heute, war damals nicht gefragt. Die "Turnerfechter" mußten auch weiterhin am Turnen teilnehmen. J. Banaszek übernahm die organisatorische und sportliche Leitung der Riege, Paul Schaub wurde Kassierer. Erste Probleme ergaben sich bei der Beschaffung geeigneter Übungsmöglichkeiten. In einem Schreiben an die Stadt Werden bat die junge Riege um Überlassung des sog. Museumsraums über dem Haupteingang zur Jugendhalle (Turnhalle des Gymnasiums Werden). Da die Stadt lange auf Antwort warten ließ, gestattete der damalige Hausmeister des Gymnasiums den Fechtern freundlicherweise, in den Kellerräumen unter der Jugendhalle ihren ersten „Fußsport" zu betreiben. Auch auf der Kegelbahn einer Gaststätte wurde zeitweise gefochten. Nach weiteren Verhandlungen erhielten die Fechter jedoch einen Trainingsabend in der Turnhalle a. d. Kölner Str. (heute Kellerstaße) und später noch den sog. „Fechtsaal'' im Gymnasium. Mit großem Elan wurde nun nach Anleitung von J. Banaszek, der im Oktober 1929 die "Vorfechterprüfung A" abgelegt hatte, geübt.

Als auch einige Turnerinnen am Fechttraining teilnehmen wollten, wehrte J. Banaszek zunächst ab: er wollte keinen "Poussier-Club" haben. Mit Milli Rohde, die schon Fechtkenntnisse besaß, wurde der Widerstand gebrochen. Das Damenfechten wurde eingeführt. Lissy Schmitz und Hanni Lökenhoff (spätere Frau Banaszek) hatten ihr Ziel erreicht und wurden mit M. Rohde die ersten weiblichen Mitglieder der Fechtriege.

Erste Erfolge

Schon im August des Jahres 1929 beteiligten sich Lissy Schmitz und Hanni Lökenhoff an einer Anfängerprüfung in Mülheim und erwarben 1930 die "Wettkampfkarte" , d.h. sie durften nun an Turnieren teilnehmen.

J. Banaszek hatte die Anfängerprüfung schon 1927 bestanden.

 

Die Fechtriege des WTB, 1930, links J. Banaszek


Da er in Werden noch keine geeigneten Gegner hatte, focht er bis Ende 1929 weiter für die" Waffenbrüderschaft" . 1929 wurde er beim Bezirksfest im Segeroth 2. Sieger im Säbelfechten, beim Gaufest 2. Sieger und beim Essener Stadtwaldfest 1. Sieger im Florett.

Im August 1930 bestand "Jupp" die "Vorfechterprüfung B" in allen Waffen und erhielt nach Prüfung auch die Kampfrichterberechtigung bis zur „Altmannenklasse''.

An die Werdener Öffentlichkeit traten die Mitglieder der Fechtriege erstmals anläßlich des Winterfestes des Turnerbundes im November 1929 im Werdener Hof. Eine Florettschule sowie Säbel- und Degenvorführungen mit einem Essener Waffenbruder fanden großen Beifall. Im September 1929 hatte sich die Riege einen Namen im Rheinland gemacht. Sie beteiligte sich an der „Rheinstaffel'', einer auch nach dem 2. Weltkrieg noch durchgeführten und bekannten Leichtathletikveranstaltung in Düsseldorf, wo sie den 1. Platz in der Klasse für Fechter belegte.

Die erste größere Veranstaltung in eigener Regie organisierten die Werdener Fechter im Januar 1930 mit der "Anfängerprüfung der Turnerfechter für die nördliche Gruppe des Kreises VIII b der D. T. " in der Werdener Jugendhalle.

26 Fechter unterzogen sich der Prüfung im Florett und Säbel. Jeder Prüfling wurde bei drei Gefechten nach Punkten beurteilt. Es kam hier nicht darauf an zu siegen, sondern die Fechtweise, Körperhaltung und fechterische Auffassung waren für die Beurteilung maßgebend. Bei der theoretischen Prüfung mußten insgesamt 9 und bei der theoretischen 3 Punkte erreicht werden. Bergstein, Rombeck, Schaub und Engelskamp bestanden die Florettprüfung, J. Banaszek und W. Schlegelmilch die Säbelprüfung. Die Zeitung berichtete darüber:

"Mancher ging mit dem Bewußtsein nach Hause, daß nun seine fechterische Laufbahn begonnen hat. Jedoch wird bei den am Sonntag, dem 26. d. M. in Gelsenkirchen stattfindenden Jungmannenfechten jeder Treffer nach Punkten gewertet. Hier heißt es: Treffen und nicht getroffen werden!" Mit dem bestandenen Jungmannenfechten qualifizierte man sich als Turnierfechter. J. Banaszek nahm als einziger Werdener Fechter in Gelsenkirchen teil und wurde von 30 gemeldeten Florettfechtern 1. Sieger. Bei dem im März 1930 folgenden Altmannenfechten in Duisburg (Ausscheidungskämpfe für den Aufstieg zur Sonderklasse) erreichte er den 4. Rang und damit die Sonderklassenberechtigung.

Als Linkshänder soll er seinen Gegnern "viel Kopfzerbrechen" verursacht haben. 1931 erkämpfte sich .Jupp" auch den Aufstieg zur Sonderklasse im Säbel- und Degenfechten.

Auch die anderen Mitglieder der Fechtriege machten Fortschritte. In der Aufstellung Banaszek, Bergstein, Rombeck, Engelskamp belegte der Turnerbund beim Bezirksmannschaftsfechten im Oktober 1930 in Werden den 2. Platz.

Die erste Fechtmannschaft (1930)

v.l.n.r.: Bergstein, Engelskamp, Banaszek, Rombeck




Zu den Gründungsmitgliedern stießen bei den Damen Else Schaffner (spätere Frau Bergstein) und bei den Herren Willi Schlegelmilch und Ernst Schüler.

Mit Fleiß und Ausdauer nahmen alle an den zwei Übungsabenden pro Woche teil (im Durchschnitt 8 Teilnehmer) und die erzielten Erfolge ließen zuversichtlich in die Zukunft blicken. Das Fechten hatte in Werden Fuß gefaßt!

Eine Tabelle gibt Aufschluß über die vielen Aktivitäten der Gründerjahre und die Kontinuität, mit der nach höherer Leistung gestrebt wurde. Die Riege zeichnete sich jedoch nicht nur durch sportliche Erfolge aus. Bei der Ausrichtung zahlreicher Turniere in Werden erwies sich vor allem J. Banaszek in den folgenden Jahren als hervorragender Organisator.

Die Vorkriegs- und Kriegsjahre

Die Fechter Banner und Uslat (von der Waffenbrüderschaft kommend) verstärkten ab 1934 die Werdener Mannschaft, die sich auch weiterhin erfolgreich an Meisterschaften, Turnfesten und sonstigen Turnieren beteiligte. Anläßlich eines Säbelvergleichskampfes zwischen Essen - Elberfeld - Werden wurde am 1. 3. 36 in der Presse ein "bedeutender Formaufschwung" der Werdener Fechter festgestellt, die seit einiger Zeit von Fechtmeister Killmer ("Onkel Otto") aus Wuppertal unterrichtet wurden.

Die „Fechtriege des Turnerbundes Werden v. 1886" entwickelte sich in diesen und den nächsten Jahren zu einer bedeutenden Riege im deutschen Fechtsport, was sie letztlich Jupp Banaszek und seinem aufopfernden Einsatz in der Ausbildung seiner Fechtkameraden und bei Wettkämpfen (Teilnahme an Deutschen Meisterschaften) sowie seinem außergewöhnlichen Engagement im organisatorischen Bereich zu verdanken hatte.

Die veränderten politischen Verhältnisse beeinflußten in den Jahren nach 1933 auch den Sport. Schon 1934 machte sich der neue Trend bemerkbar. Die guten Leistungen der Friesenkämpfer wurden in der Presse als Beweis dafür angesehen, daß "der Wehrsport in den Vereinen eine gute Pflegestätte gefunden hat". Die Zentralisierungsmaßnahmen des neuen „Reichsbundes für Leibesübungen" sowie die Einführungen des Führerprinzips in den Vereinen, die Verpflichtung der Vereine zur Abhaltung von SA-Sportabzeichen-Kursen, die Anerkennung des Fechtens als HJ-Dienst u. a. m. setzte auch im WTB, wo man den Sport bisher als unpolitische Leibesübungen betrachtet hatte, andere Maßstäbe.

Beim Kreisklassenfechten am 23. 1. 1938 und in der Folgezeit starteten die Essener Fechterinnen und Fechter für die" Wettkampfgemeinschaft Essener Fechter" (WEF). Für die Werdener Fechter findet man in diesen Jahren in der Presse verschiedene Angaben über ihre Vereinszugehörigkeit: "TB Werden", "WEF", "HJ-Bann 173", "SS-Werden" sowie "SS-Sportgemeinschaft".

1937 wurden die ersten Jugendlichen - alle um ca. 15 Jahre - in die Fechtriege aufgenommen. Dank guter Ausbildung stellten sich auch hier bald Erfolge ein. Anfang 1937 bestanden Hans Hebenstreit, Jürgen Kirchhoff, Paul Sonnenschein, Ende 1937 Edelbert Link und Herbert Quade die Anfängerprüfung. 1938 waren es Hans Angerhausen, Kurt Braun und Walter Baum, 1939 Josef Krampecki sowie die ersten Mädchen Ursula Eisenburger und Felizitas Volke.

Auch nach Kriegsbeginn gingen die fechterischen Aktivitäten weiter. 1941 nahmen Kurt FischelI, Günther Rebig, Kurt Tillmann, Willi Plettenberg und Rose Maria Koch an den Anfängerprüfungen teil und am 6. 12. 1942 noch Ludgera Eisenburger. Die zielstrebige Arbeit der "alten" und jungen Fechter führte zu beachtlichen Erfolgen. Herausragend weiterhin Josef Banaszek, der 1937 bei den Deutschen Florettmeisterschaften einen 10. Platz belegte und 1939/40 dank seiner guten Ergebnisse bei den Gaumeisterschaften (1. im Säbel-, 2. im Florett- und 3. im Degenfechten) wiederum an den Deutschen Einzelmeisterschaften und mit der niederrheinischen Mannschaft an den Dt. Mannschaftsmeisterschaften in Berlin teilnehmen konnte. Er gehörte auch zum Aufgebot für die Olympiade 1940, die jedoch nicht stattfand. Bei den Werdener Damen war Hanni Banaszek (geb. Lökenhoff), die wie ihr Mann auch gute Leistungen im Friesenkampf erbrachte, die beständigste Fechterin.

Beim deutschen Turnfest 1938 in Breslau erkämpfte sich der Jugendliche Edelbert Link den 2. Platz. 1939 wurde er Gebietsmeister Ruhr-Niederrhein der Hitlerjugend und nahm an den Dt. Jugendmeisterschaften in Stuttgart teil, die im Rahmen der 1. Hallenkampfspiele der HJ ausgetragen wurden. Er belegte dort einen guten 9. Platz.

Während des Krieges war E. Link Assistent des Reichsfechtmeisters Hallos in Berlin und doubelte die Fechtszenen für Hans Albers in dem Film "Trenk, der Pandur".

Mit vier Jugendlichen war die Fechtriege 1940 bei den Dt. Meisterschaften in Breslau vertreten: Edelbert Link, Kurt Braun, Fee Volke und Ulla Eisenburger.



Erinnerungsfoto vor dem Gymnasium Werden

v. I. oben: Ernst Schüler, Lissy Schmitz, Herbert Quade, Hanni und lupp Banaszek, Edelbert Link, Bruno Uslat, Hans Hebenstreit, Ulla Eisenburger. Jürgen Kirchhof!, Fee Volke.


Fee Volke belegte in den Jahren 1941, 1942 und 1943 jeweils einen der ersten Ränge bei den Gebietsmeisterschaften und erreichte damit die Teilnahme an den Dt. Jugendmeisterschaften. Im September 1941 nahm sie an einem Lehrgang der Reichsleistungsgruppe Fechten der R.J.F. in Berlin teil. 1942 wurde sie bei den Dt. Meisterschaften in Bad Tölz 3. im Florett-Einzelkampf und mit Ulla Eisenburger u.a. 2. im Mannschaftskampf (Gebiet Ruhr-Niederrhein 10). Jeder Teilnehmer dieses Wettkampfes mußte im Besitz eines gültigen Ausweises der NSDAP-Jugendorganisation sein. Fee Volke konnte nur einen sog. "Pflichtausweis" vorzeigen, den man erhielt, wenn man nicht an den angesetzten Veranstaltungen teilnahm. Deshalb durfte sie erst nach telefonischer Rücksprache mit den Essener Behörden starten. Nachdem Jupp Banaszek im September 1939 eingezogen worden war, übernahmen Fritz Banner und Lissy Schmitz die Leitung der Riege und setzten die Arbeit erfolgreich fort. Gegen Kriegsende wurde auch Fritz Banner noch eingezogen und kam ebenso wie Hans Angerhausen, Walter Baum, Willi Engelskamp, Hans Hebenstreit, Edelbert Link, Herbert Quade, Paul Sonnenschein, Walter Tschöpe und Bruno Uslat u.a. nicht zurück. Damit hatte die Fechtriege die Mehrzahl ihrer hoffnungsvollen Leistungsträger verloren.

Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg

Nach der Kapitulation wurde der Fechtsport von den Besatzungsmächten verboten. Als J. Banaszek Ende 1947 aus der Gefangenschaft nach Haus kam, hatte er ein Auge verloren und wußte nicht, ob er seinen Lieblingssport je wieder betreiben konnte. Doch nach Kontaktaufnahme mit seinen alten Freunden wurde bald heimlich im Ruderkeller des Gymnasiums gefochten.

Lissy Schmitz hatte nach Einstellung des Fechtbetriebs am Ende des Krieges einen Teil der privaten Fechtsachen auf ihrem Boden sichergestellt, die zwar z. T. reparaturbedürftig, aber immerhin brauchbar waren.

Während man sich offiziell noch bei den Alliierten um die Aufhebung des Fechtverbotes bemühte, trafen sich in Wuppertal bei Otto Killmer Fechterinnen und Fechter aus Wuppertal, Velbert, Düsseldorf und Werden, um dort in einem provisorisch instandgesetzen Fabrikraum von "Onkel Otto" die Klingen zu kreuzen.

Als Fechtmeister und Trainer bei Engländern und Belgiern tätig war Otto Killmer ganz groß im Organisieren. So gab es neben warmen Mahlzeiten bei diesen verbotenen Treffen auch Bier und Zigaretten. Fechterinnen und Fechter aus dieser Runde trafen sich am 10. 4. 1949 mit Mannschaften aus Köln und Bonn zu einem Wettkampf in Bonn. Aufgrund der Nachricht von "höherer Stelle", daß mit der Bildung einer Bundesregierung das Sportfechten wieder erlaubt würde, besprachen die interessierten Werdener Fechterinnen und Fechter am 24. Juli 1949 in der Gaststätte der Werdener Lichtspiele die Möglichkeit des allgemeinen Auflebens des Fechtbetriebs in Werden.

Im Jugendheim des WTB (Speicher des Gymnasiums Werden) lief das Training ab 11. 8. 1949 in "freier Vereinbarung und eigener Verantwortung" langsam wieder an. Als Fechtmatten dienten alte Förderbänder der Werdener Feintuchwerke, die ein Mitglied (Platte) besorgt hatte. An einem Samstagnachmittag hatte man die schweren Bahnen in den Ruhrwiesen gereinigt und auf den Speicher transportiert.

Am 26. 11. 49 wurde in Bonn der "Deutsche Fechter-Bund" neu gegründet. J. Banaszek nahm daran ebenso teil wie an der Versammlung des Rheinischen Fechter-Bundes am 27. 11. 49, wo er das Amt des Sportwarts und des Landesgruppen-Fechtwarts Nord übernahm. Mit der Bestätigung als Kampfrichter und Obmann in allen drei Waffen bis zur Bundesklasse begann für J. Banaszek der zweite Teil seiner aktiven "Fechterkarriere". Im Jahresbericht für 1949 formulierte "Jupp" das Ziel für die Zukunft so: "Auf zur Jugendarbeit, die sich immer lohnen wird!" Am 21. 3. 1950 hob die Alliierte Hohe Kommission das Fechtverbot auf. Die ersten schnell folgenden Turniere wurden zunächst noch mit den "alten Kämpen" bestritten, z.B. ein Schaufechten gegen die im Essener FechtkIub zusammengeschlossenen ehemaligen Mitglieder der Waffenbrüderschaft und anderer Vereine.

In der Jugendhalle an der Grafenstr. in Werden traten am 29. Januar 1950 Josef Banaszek , RobertTettweiler (aus Berlin kommend), Ernst Schüler und Fritz Wehrenpfennig bei den Herren und Hanni Banaszek, Lissy Schmitz und Fee Volke bei den Damen für den am 29. 11. 1949 neu gegründeten WTB an. Im März traf man sich zum Gegenbesuch in der Luisenschule.

Im Mai 1950 trugen Banaszek, Wehrenpfennig, Tettweiler, Braun, Schaub, Kirchhoff und Fischell einen Klubkampf in Florett und Säbel gegen den Wuppertaler Fechtverein aus, den sie knapp verloren. Es folgten Mannschaftskämpfe in Wuppertal (um die Otto-Killmer-Wanderplakette ), Duisburg, Remscheid, Mülheim, Düsseldorf usw., wo sich zunächst die "alte Garde" immer wieder durchsetzte.

Am Rheinischen Turnfest in Moers und dem Essener Kreisfest 1950 in Kettwig wurden schöne Erfolge erzielt: Hanni und J. Banaszek wurden in Moers jeweils 1. ihrer Klasse, Paul Schaub 2., Klaus Kniepen 3., K. Braun 8. und Inga Milsch, die aus Dresden nach Werden gekommen war, 4 .

In der neuen Aufbauphase wurde J. Banaszek von Robert Tettweiler als Vorfechter (heute Übungsleiter) und vor allem Dipl. Fechtmeister Dorsch aus Aachen unterstützt.

Dorsch leitete 1949/50 auch einen Lehrgang im Turnerheim Reinshagen, an dem neben anderen Essener Fechterinnen und Fechtern auch Fee Volke und Inga Milsch teilnahmen.


Fechtlehrgang in Reinshagen

In der Mitte Dipl. Fechtmeister Dorsch, links daneben Fee Volke, oben rechts Inga Milsch. Weitere Essener Fechterinnen sind zu erkennen, Ännchen Büngeler, Else Vershoven-Schwigat, Hilde Wiemann und Hildegund Waterloh (Bonn), 1950


Erfolgreiche Jahre

Das erste Jungmannenfechten am 7. 1. 51 - von der Fechtriege ausgerichtet - bestanden die WTB-Mitglieder Kurt Fischell, Kurt Braun und Klaus Kniepen sowie Irmgard Weckauf und Inga Milsch. An den Landesmeisterschaften 1951 nahmen Fräulein Büngeler (3.), Fee Volke (7.) und H. Banaszek (8.) teil. J. Banaszek erkämpfte sich mit je einem 2. Platz im Florett - und Säbelfechten und einem 4. Platz im Degen die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. Beim ,,1. Deutschen Fechtturnier um das Solinger Schwert" bewarben sich 18 Mannschaften um diesen Wanderpreis der Klingenstadt am 6./7. Oktober 1951 in Solingen. Die WTB-Mannschaft mit J. Banaszek (3.), Inga Milsch (7.), Klaus Kniepen (3.) und Wilfried Heiß (14.) belegte einen beachtlichen 4. Platz. Im Dezember 1951 fand das erste „Alteisenfechten" (für Fechterinnen und Fechter ab 50 Jahre) statt, das sich später als "Nikolausfechten" zu einem Traditionsturnier für alle Altersklassen entwickelte, bei dem die Teilnehmerzahlen jährlich stiegen und in den 60er Jahren bis zu 250 Fechterinnen und Fechter um den von Fechtriegenmitglied Willi Loewenich gebackenen Stutenkerl kämpften.

Anknüpfend an die Vorkriegstradition war Werden in diesen Jahren wieder ein beliebter Turnierort. Vom Anfängerfechten bis zur Landesmeisterschaft organisierte "Jupp" mit seinen Helfern alles, was es an Turnierformen gab. Erstaunlich, daß er neben diesen aufopfernden Tätigkeiten als Vorfechter, Betreuer und Organisator selbst noch so gute Leistungen vollbringen konnte wie bei den Rheinischen Landesmeisterschaften 1952, wo er Säbel- und Degen-Landesmeister wurde. Mit Wilfried Heiß vertrat er den WTB bei den Deutschen Meisterschaften.

Diese Erfolge trugen sicher u.a. dazu bei, daß immer mehr Jugendliche Interesse am Fechten zeigten. Wie erfolgreich J. Banaszeks „Amateurlehrmethode" war, die er auf Lehrgängen ständig zu vervollständigen und zu verbessern suchte, wurde im Mai 1952 bei einem Treffen der Fechterjugend in Duisburg deutlich. Die WTB-Fechterinnen Inge Breder und Helga Böhm wurden 1. und 2. Siegerinnen ihrer Klasse. Im Jugendflorett (Herren) Kl. 2 wurde Jürgen Langmaack 1. und Michael Stieglitz 2. Sieger. Langsam kämpfte sich die Jugend nach vorne.

1954 gab es zwei besondere fechterische Leckerbissen in Werden. Im Januar richtete die Riege ein Turnier der Leistungsklasse I für Fechter und Fechterinnen aus. Großer Erfolg vor allem für die jungen WTB-Fechterinnen. Ute Schaub (1.), Inga Milsch (2.), Inge Breder (5.), Ulla Aberfeld (6.) und Lissy Schmitz (8.), Wilfried Heiß wurde 3. Sieger bei den Herren.

Am 6. November 1954 wurde zusammen mit dem Stiftungsfest des WTB das 25jährige Bestehen der Fechtriege gefeiert. Aus diesem Anlaß lud man den Fechtklub Offenbach, einen der ältesten und bekanntesten deutschen Fechtvereine, zu einem Freundschaftsturnier ein. Die Herren mußten bei dieser gelungen Veranstaltung zwar eine Niederlage hinnehmen, doch die Damen erkämpften sich mit 11 : 5 einen schönen Erfolg.

An dem folgenden Festaben
wurden Hanni und Josef Banaszek, Lissy Schmitz und Paul Schaub für ihre besonderen Verdienste um den Fechtsport und den Werdener Turnerbund ausgezeichnet und geehrt. Sie, die ehemaligen Turnerfechter, pflegten den Gedanken der großen WTB-Turnerfamilie und gaben den Geist der Gründergeneration in den Nachkriegsjahren an die Jugend weiter.

Aufgrund der geringen Hallenkapazitäten in Werden mußte man sich immer etwas einfallen lassen, um zusätzliche Trainingsmöglichkeiten für die Leistungsträger des Vereins zu erhalten. So benutzten z.B. Mitte der 50er Jahre Fechter, Turner und Leichtathleten die Jugendhalle sonntags morgens gemeinsam. An der Fensterseite der Jugendhalle zur Ruhr kreuzten die Fechter ihre Klingen, in der Mitte

7.11.1954 Ehrung von Mitgliedern der Fechtriege

v.l.n.r.: Paul Schaub, Lissy Schmitz, Hanni Banaszek, Josef Banaszek, Heinrich Storkmann (Vorsitzender des WTB)


liefen die Leichtathleten zum Stabhochsprung auf die Bühne an und an der anderen Seite turnten die Turnerinnen und Turner an den Geräten. Gemeinsam fuhr man auch zu vielen Turn- und Sportfesten und freute sich über die erzielten Erfolge.

1955 war ein besonders erfolgreiches Jahr. 10 Mannschaftssiege konnte die WTB-Fechtriege in diesem Jahr verbuchen, außerdem den 2. Platz bei den Rheinischen Mannschaftsmeisterschaften im Damenflorett. Inge Breder, Ute Schaub und Ulrich Perwitz nahmen an den Dt. Jugendmeisterschaften in Bad Mergentheim teil. Ein Jugendvergleichskampf gegen ETUF und OFC Bonn wurde gewonnen.

Insgesamt hatte die Fechtriege in diesen Jahren einen Boom zu verzeichnen. Mehr als 20 Fechterinnen und Fechter, jung und alt, besuchten die Trainingsstunden. 1956 wurden 15 Turniere bestritten und 46 Siege mit nach Werden gebracht.

An den Aufstiegskämpfen der Industriegruppe Nord beteiligten sich Ute Schaub (1.), Inge Breder (3.) und Scharmann (9.) bei den Damen und Stieglitz (3.), Hecker (9.), Langmaack (1.), Tupek (5.) in den Herrenklassen erfolgreich.

Die Degenmannschaft mit J. Banaszek, W. Heiß, J. Langmaack und M. Stieglitz qualifizierte sich als Gruppenmeister für die Landesmeisterschaften .

In diesen Jahren hatte der WTB mit Inga Milsch, Ute Schaub, Inge Breder, Ulrike Niermann, Fee Gräwingholt (Volke), Ulla Aberfeld (Eisenburger) sowie den älteren Fechterinnen Lissy Schmitz, Hanni Banaszek und Ingeborg von Müffling eine hervorragende Wettkampfmannschaft. Hier bewährte sich die Mischung aus alt und jung, Erfahrung, Routine, Kampfgeist und jugendlichem Elan. Bei den Herren waren neben Josef Banaszek, Wilfried Heiß, Klaus Kniepen, J. Langmaack, M. Stieglitz, Klaus Hecker, Ulrich Perwitz, Willi Loewenich und Bernd Lübbe besonders aktiv.

Mit zunehmender Erfahrung des Nachwuchses zog sich J. Banaszek aus dem aktiven Sportgeschehen zurück und widmete sich neben der Trainertätigkeit mehr dem Kampfrichter- und Obmannswesen. Z.B. begleitete er die Nationalmannschaft als Betreuer und Kampfrichter nach Österreich, zweimal nach Polen und dreimal nach England. Lediglich bei Mannschaftswettkämpfen half er schon mal aus und führte die Jugend zu Kreis-, Landes- und Deutschen Turnfesten, wo er dann auch in Einzelwettkämpfen seiner Altersklasse um den Siegerkranz kämpfte. 1958 wurde er beim Deutschen Turnfest in München 1. Sieger, 1963 in Essen 6. im Säbelfechten.

1959 richtete die Fechtriege des Stiftungsfest des Werdener Turnerbundes aus Anlaß ihres 30jährigen Bestehens im großen Rahmen im Werdener Kolpinghaus aus.

Aus heutiger Sicht war dies der Höhepunkt einer jahrelangen erfolgreichen Aufbauarbeit, getragen und geprägt vom Idealismus Einzelner und dem Ideengut des Turnertums .

Ende der 50er Jahre begann mit der stärkeren Wendung zum Leistungssport und der damit verbundenen Spezialisierung sowie dem Ausscheiden der älteren Mitglieder in der Fechtriege -
ebenso wie in anderen WTB-Gruppen - ein Umbruch.

In diesen Jahren startete der DSB das Aktionsprogramm "Zweiter Weg" und der Deutsche Turnerbund die Aktion "Turnen für Jedermann" als Gegenpol zu dem "wohlstandsbedingten Pazifismus des Körpers". Die Auswirkungen des Wirtschaftswunders wie Fernsehen, Auto usw. führten zu einer allgemeinen Mitgliederstagnation in den Vereinen.

Doch Jupp Banaszek wurde nicht müde!

1961 wurde ihm aus Anlaß der 75-Jahr-Feier des Werdener Turnerbundes für seine ehrenamtliche Arbeit und seine Verdienste um das Turnen der Ehrenbrief und die Ehrennadel des Deutschen Turnerbun-


Vorfechter J. Banaszek bei der Lektion, 1959




des - die höchste Auszeichung des Verbandes - verliehen. Erfolgreichste Werdener Fechterin war Anfang der 60er Jahre Ulrike Niermann, die 1962 bei den Dt. Juniorenmeisterschaften 3. wurde und daraufhin in der nationalen Junioren- und Nachwuchsmannschaft eingesetzt wurde.

1964 wurde Sieglinde Banaszek Landesmeisterin der Rhein. Fechtjuniorinnen.

An diesen Erfolgen hatte der ungarische Fechtmeister Szire großen Anteil.

1963 beteiligten sich die WTB- Fechterinnen und Fechter - allen voran J. Banaszek und Lissy Schmitz - maßgeblich an der Organisation des Dt. Turnfestes in Essen.

Zum Nikolausfechten als größtem deutschen Turnier dieser Art, das an einem Tag durchgeführt wurde, zog es 1965 130 Fechterinnen und Fechter nach Werden. Vom WTB kämpften Loewenich, Falkenberg, Raab, Gille, Seidel, Lamyon, Kuckuck bei den Herren, D. von Hoerschelmann bei den Damen und Anne Nix, Angela Heyn und Werner Pfeffer in der Jugendklasse.

1966 wurde das 10. Turnier dieser Art mit einer Beteiligung von 210 Fechterinnen und Fechtern in 10 Florett- und 2 Säbelklassen auf zwei Tage ausgedehnt. Die Schülerinnen Anne Nix (3.), Fee Gräwingholt jun. (4.), und A. Heyn (8.) sammelten hier weitere Erfahrung,

Kirsten Schumacher belegte bei der Jugend den 1. Platz.

1967 hatte der WTB den stärksten Fechternachwuchs in Groß-Essen. Durch das Aufgebot an Juniorinnen und Junioren sicherten sich die Werdener beim Essener Stadtwaldfest die Bronzeplakette der Stadt Essen für die beste Vereinsleistung in der Sparte Fechten.

Mit den Mädchen D. v. Hoerschelmann, Anne Nix, Fee Gräwingholt (jun.), Ilse König, Annelie Schmidt und Angela Heyn hatte J. Banaszek wieder einige gute Schüler- und Jugendfechterinnen aufgebaut, die in den folgenden Jahren auf Turnieren in und um Essen von sich reden machten. Z. B. erreichte Ilse König beim 5. Essener Schülerturnier einen 1. Platz, Anne Nix den 4. und Annelie Schmidt den 6. in ihrer Klasse.

Am 10. 6. 67 wurde der inzwischen 61jährige Jupp Banaszek in einer Feierstunde anläßlich der Deutschen Fechtmeisterschaften in Bad Dürkheim für die besonderen Verdienste um den deutschen Fechtsport (hervorragender Einsatz, großer Idealismus, be
ondere Gabe im Ausbilden, Führen und Leiten der Jugend, Tätigkeit als Fechtwar
, Kampfrichter und Begleiter bei Turnieren im In- und Ausland) vom Deutschen Fechter-Bund mit der Ehrennadel ausgezeichnet.

Für die Fechtgemeinde unfaßbar starb der Fechtwart des WTB und RTB, Sportwart des RFB, Säbelwart des DFB, nationale und internationale Kampfrichter und Vater der Fechtriege im WTB kurze Zeit später plötzlich und unerwartet an einer heimtückischen Krankheit.

Nach dem ersten Schock versuchten die gesammelten Kräfte der Riege das Erbe im Sinne von J. Banaszek weiterzuführen und zu verwalten. Nach Paul Schaub, dem ehemaligen Mitbegründer, Kurt Braun und Fee Gräwingholt übernahm Lissy Schmitz, langjährige Mitstreiterin J. Banaszeks in Verein und Verband, die Leitung der Abteilung. Martin Schlittgen, WTB-Kassierer und passives Mitglied der Riege, stand ihr dabei zur Seite. Andere kümmerten sich engagiert um die sportlichen Belange, u.a. Meister Chiettekatte, ein belgiseher Soldat, der 14tägig aus Düren kam, um die hoffnungsvolle Mannschaft zu trainieren. Die Erfolge blieben nicht aus. Rainer Gille nahm als Landesmeister im Florett und Degen (1967 und 1968) ebenso wie Dorothee von Hoerschelmann (dreimal) und Anne Nix an den Dt. Junioren-Fechtmeisterschaften teil. Alle drei vertraten die Farben des WTB bei weiteren nationalen und internationalen Turnieren der Verbände.

Das "Nikolausfechten" wurde mit großem Engagement - vor allem der Nachwuchsfechter - weiter durchgeführt. 1968 verzichteten R. Gille, D.v. Hoerschelmann und Michael Ohme auf einen eigenen Start, um sich ganz der Durchführung des Turniers zu widmen. Mit über 200Teilnehmern besetzt, wurde es ein organisatorischer und sportlicher Erfolg.

Anne Nix siegte in der Juniorinnen-l-Klasse vor Fee Gräwingholt (jun.) und A. Schmidt; Angela Heyn wurde 1. bei den Juniorinnen 11 und Hans Seidel 4. im Säbelfechten.

Ebenso erfolgreich waren die Werdener Fechterinnen beim Essener Schüler-Fechtturnier 1968. A. Heyn wurde 2. der Schülerinnen unter 14 Jahre, Annelie Schmidt 1. und Fee Gräwingholt (jun.) 2. der 14 - 16jährigen Schülerinnen und Anne Nix 1. Siegerin der über 16jährigen. R. Gille belegte den 2. Platz bei den Schülern über 16 Jahre. Mit Hilfe der WTB-Fechterinnen und -Fechter errang das Gymnasium Werden den Wanderpreis der Stadt Essen für die beste Oberstufenmannschaft. A. Heyn erhielt eine sog. "Schönheitsurkunde" für vorbildliche Leistung.

1969 belegten Angela Heyn, Anne Nix und Rainer Gille unter 270 Teilnehmern des Schülerturniers in derTurnfesthalle jeweils einen 2. Platz ebenso wie der Jüngste, Jürgen Heyn (Jg. 1958), der als "stilistisch bester Fechter" auch ein Diplom erhielt. Der Wanderpreis blieb beim Gymnasium Werden. Im April 1969 erkämpften sich Anne Nix, Angela Heyn, Fee Gräwingholt (jun.) und Annelie Schmidt unter 11 Mannschaften die Vizemeisterschaft bei den Rheinischen Mannschaftsmeisterschaften der Juniorinnen. Als Landesbeste nahm Angela Heyn an den Deutschen Schülermeisterschaften teil.

In diesem Jahr verzeichnete die Fechtriege ihren bislang größten Erfolg. R. Gille nahm als Mitglied der deutschen Nationalmannschaft an den Junioren-Weltmeisterschaften in Genua teil, wo er maßgeblich am 2. Platz der deutschen Mannschaft beteiligt war.

Junioren-WM Degen in Genua, 1969


Das 40. Jahr (1969) der Fechtriege endete mit einer Krise und Austritten einiger Mitglieder. Angela Heyn z.B. startete beim "Nikolausfechten" für einen anderen Essener Verein.

1970 wurden Hanni Banaszek und Lissy Schmitz, die lange Jahre auch Schriftführerin im Rheinischen Fechter-Bund war für ihre Verbandstätigkeit ausgezeichnet.

Mit der Entwicklung des Werdener Turnerbundes zu einem modernen Sportverein wurde aus der Fechtriege in den 70er Jahren eine vom Turnen gelöste selbstständige Abteilung neben anderen.



Die 70er und 80er Jahre

1971 fanden die ersten Essener Stadtmeisterschaften in der ETUF-Sporthalle statt. Vom WTB beteiligte sich daran vor allem eine neue Generation männlicher Jugendlicher. Jörn Kraus, Ingo Grünastel, Peter Frank, Jürgen Kleinherbers, Chris Schumacher und Armin Deuter machten gute Fortschritte. Anne Nix gelang in diesem Jahr der Aufstieg in die Landessonderklasse . 1972 vertrat sie die Fechtriege wieder bei den Deutschen Meisterschaften. Bedingt durch eine erneute "Flaute" in der Riege richtete der ETUF 1974 das traditionelle Nikolausfechten aus. Vom WTB nahmen 5 Mitglieder teil. Im Damenflorett wurde Anne Nix 1. und Ulrike Scheele 3.

Nachdem Knut Oetter 1976 das Training übernommen hatte, stellten sich ein Jahr später wieder leichte Erfolge ein. Lorenz Winkler und Thomas Lietzau nahmen an den Westdeutschen Fechtmeisterschaften teil. L. Winkler qualifizierte sich für die Deutschen Schülermeisterschaften im Degen. Carsten Witt schaffte die Qualifikation bei den Senioren leider nicht.

Nach dem Tod von Lissy Schmitz im Herbst 1978 wurden die Fechter erneut vor Führungsprobleme gestellt. Willi Loewenich erklärte sich schließlich bereit, die Leitung der Abteilung zu übernehmen. Fee Gräwingholt und Kurt Braun unterstützten nach wie vor den Trainer bei der sportlichen Arbeit. Für ihre jahrelange Arbeit als Übungsleiter und Betreuer erhielten sie anläßlich der Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum im Regattahaus am Baldeneysee die Bronzene Verbandsehrennadel.

Im Jubiläumsjahr 1979 erreichten wieder drei WTB-Mitglieder (Petra Pfeffer, Heike Langer und Wolfgang Aschhoff) die Teilnahmeberechtigung für die Dt. Jugendmeisterschaften. 1980 qualifizierten sich Petra Pfeffer, Heike Langer, Wolfgang Aschhoff, Thomas Lietzau, Thomas Conrad für die Dt. Meisterschaften. Die beiden letzteren standen 1981 in der Essener Stadtmannschaft, die zu einem Turnier in die Partnerstadt Grenoble fuhr.

Mitglieder der Fechtabteilung 1979


Nach langer Pause konnte der WTB 1983 wieder eine Turniermannschaft stellen. Im Deutschlandpokal erreichten die WTB-Fechterinnen und -Fechter einen Platz unter den ersten 60 von 400 teilnehmenden Vereinsmannschaften .

1984 wurden erstmalig Vereinsmeisterschaften im Fechten ausgetragen. Viele neue Mitglieder sammelten auf Turnieren Erfahrungen und konnten z. T. gute Plätze belegen. Auch eine neuaufgebaute Säbelmannschaft bewährte sich.

Im Deutschlandpokal erreichte die Mannschaft mit C. Anders, Dr. B. Heigenhauser und I. Tepel eine Plazierung unter den ersten 32 von 410 teilnehmenden Fechtvereinen.

Von den 9 WTB-Fechtern, die an den diesjährigen Landesmeisterschaften teilnahmen, qualifizierten sich J. Barho und IlgerTepel ebenso wie 1985 für die Deutschen Jugendmeisterschaften. 1985 erreichte Ilger einen hervorragenden 5. Platz. Daß der Friesenkampf nach wie vor zum Repertoire der WTB-Fechter gehört, bewiesen Johannes Streffer, Clemens Anders und Jörg Scheffler durch ihre Teilnahme am Rheinischen Landesturnfest 1985 in Jülich. Mit Turnern, Leichtathleten, Volleyballern und Schwimmern des WTB machten sie sich auf, um im Fechten, Schwimmen, Laufen, Kugelstoßen und Schießen ihre Punkte zu sammeln.

1985 vollzog sich ein Wechsel in der Abteilungsleitung. Willi Loewenich trat wegen beruflicher Belastungen zurück und Dr. Bernd Heigenhauser übernahm das Amt des Abteilungsleiters. Martin Schlittgen legte aus gesundheitlichen Gründen - er starb am Ende des Jahres - die Kassenführung in die jüngeren Hände von Anne Nix. In 1986 qualifizierte sich die Degenmannschaft wiederum im Deutschlandpokal, nachdem der Nachbar ETUF ausgeschaltet werden konnte.

Ilger Tepel war nicht nur in dem Weltcupturnier "Frankentrophäe" mit den ersten Ranglistenpunkten erfolgreich, er wurde auch 1986 wieder Vizemeister bei den Landesmeisterschaften der A-Jugend im Degen. Erfreulich auch, daß Sonja Stender und Ilger Tepel im April als Sieger das Einladungsturnier "Wappen von Emden" beenden konnten. Einen Höhepunkt des Vereinslebens bildete 1986 der Jugendaustausch mit der frz. Partnerstadt Grenoble. Die Abteilung konnte das Turnier im Rahmen der Wettkämpfe ,,100 Jahre WTB" ausrichten. Eine glanzvolle Veranstaltung, die den Einsatz aller erforderte. Ein Erfolg war dieses Turnier auch deshalb, weil mit Hilfe der anderen WTB-Abteilungen die jugendlichen Fechterinnen und Fechter bei uns untergebracht werden konnten. Diese Möglichkeit hat nicht nur die Gäste beeindruckt, auch die Stadt hat dies sehr wohl vermerkt.

Mit einer Fechtschule und einem attraktiven Schaukampf beteiligten sich die Fechter an der WTB - Sport schau aus Anlaß des 100jährigen Vereinsbestehens.

Im Mai 1986 starb Kurt Braun, der "gute Geist". Kurt Braun war Schüler Jupp Banaszeks. Er verstand es nicht nur, dessen Schule und die erfolgreiche Arbeit fortzuführen, er verkörperte auch die Idee und die "Besessenheit" für diesen Sport. Er war es, der sehr früh mit der Jugendarbeit das Reservoir schuf, das der Abteilung trotz vorhandener Fluktuation immer wieder erfolgreiche Fechter lieferte.



Resümee und Ausblick

Die Geschichte der "Fechtriege im Turnerbund Werden" , heute Fechtabteilung im WTB, ist in der Gründer- und Nachkriegszeit eine Geschichte der Familie Banaszek.

Sie wurde erhalten und fortgeführt durch Lissy Schmitz und Kurt Braun, durch Fee Gräwingholt und Willi Loewenich. Die Idee, für die Jupp Banaszek lebte, sie lebt in denen weiter, die bis heute erfolgreich die Riege führen. Natürlich sind heute andere Rahmenbedingungen vorhanden, die die Arbeit in der Abteilung erschweren. Es sind dies die unvergleichlich anspruchsvolleren wirtschaftlichen Bedingurigen, aber auch die anderen persönlichen Prioritäten derer, die leiten und entwickeln sollen. Die Decke der engagierten Mitarbeiter, die es auch verstehen, eine Abteilung in schwierigen Situationen zusammenzuhalten, ist dünner. Die Zahl der Vorbilder, die Motivation und Ausrichtung bedeuten, ist kleiner. Die persönliche Autorität ist bei diesen nicht mehr in vergleichbarem Maße vorhanden, weil die Leistungsträger heute Kinder und Jugendliche sind.

Aber die "Kultur der Fechtarbeit" in der Abteilung konnte erhalten werden. Mit ihr wird heute bei den 6- bis 10jährigen die Basis für eine erfolgreiche, zukünftige Arbeit gelegt. Sie werden sicher die erfolgreiche Tradition der Abteilung erhalten.


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